(ots) - Klaus Töpfer fordert in der "DUH-Welt"
Altschulden-Fonds und Streckung der Umlagekosten für Ökoenergien -
Klimaschutzziele in Klimaschutzgesetz festschreiben - Alte
Kohlekraftwerke mit CO2-Grenzwert aus dem Markt bringen
Berlin, 22.11.2013: Der Exekutivdirektor des Potsdamer Institute
for Advanced Sustainability Studies (IASS), Prof. Dr. Klaus Töpfer,
fordert eine grundsätzliche Neueinordnung der für die Entwicklung der
Erneuerbaren Energien in Deutschland angefallenen Kosten und eine
Deckelung der EEG-Umlage. Im Gespräch mit der DUH-Welt, dem Magazin
der Deutschen Umwelthilfe, verwies der frühere Bundesumweltminister
und Chef des UN-Umweltprogramms UNEP darauf, dass die derzeit direkt
von den Stromkunden über die EEG-Umlage gezahlten Vergütungen "in
Wirklichkeit Forschungs- und Entwicklungskosten sind." Diese von den
Stromverbrauchern aufgebrachten Mittel hätten in der Vergangenheit
dazu gedient, Solar- und Windenergie in Deutschland und in der ganzen
Welt so kostengünstig zu machen, dass sie heute mit Kohle- oder
Gaskraftwerken konkurrieren können.
Der CDU-Politiker schlägt deshalb vor, die EEG-Umlage "nicht
länger nur über die Strompreise zu bezahlen, sondern das auf der
Zeitachse zu strecken und über einen Altschulden-Fonds zu
refinanzieren." Zurückzahlen könne man das dann, wenn die Stromkosten
wieder sinken, weil hoch geförderte Altanlagen nach 20 Jahren aus der
EEG-Umlage herausfallen. Eine solche zeitliche Streckung der
Finanzierung der Erneuerbaren Energien könne nicht nur aktuell die
Stromverbraucher in Deutschland entlasten, sondern sei auch geeignet,
ein Signal über die deutschen Grenzen hinaus zu senden. Töpfer: "Dann
wird auch im Ausland sofort sichtbar, dass das, was die Deutschen
jetzt noch an Sonne und Windenergie zubauen, nicht mehr teurer ist,
als Strom aus neuen fossilen Kraftwerken und viel billiger als Strom
aus neuen Atomkraftwerken."
Töpfer hatte seinen Vorschlag vergangene Woche auch anlässlich der
Festveranstaltung zur Verleihung des UmweltMedienpreises der DUH für
sein Lebenswerk bekräftigt. Der frühere Umweltminister forderte
außerdem eine bessere Steuerung der Energiewende: "Ein so großes
Projekt braucht endlich ein professionelles Management." Zudem müsse
die Energiewende stärker als bisher in den europäischen
Gesamtzusammenhang gestellt werden. Töpfer setzte sich auch dafür
ein, die nationalen Klimaschutzziele "in einem Klimaschutzgesetz
festzuschreiben." Es müsse deutlich werden, dass die Ziele nicht mehr
in Frage gestellt werden. In den laufenden Koalitionsverhandlungen
wird ein solches Gesetz von der SPD gefordert, die Union lehnt es
bislang ab.
Schließlich erneuerte Töpfer seine Forderung, den aktuellen Boom
extrem klimaschädlicher Kohlekraftwerke über nationale
ordnungsrechtliche Regelungen einzudämmen. Er sei "äußerst
skeptisch", ob das europäische Emissionshandelssystem noch einmal die
erhoffte Lenkungswirkung in Richtung einer kohlenstoffarmen
Stromerzeugung entfalten könne. Man könne deshalb zum Beispiel nach
dem Vorbild der USA und der Briten "mit einem CO2-Grenzwert für die
erzeugte Kilowattstunde Strom die abgeschriebenen, alten
Dreckschleudern aus dem Markt bringen", so Töpfer.
Das Interview mit Prof. Klaus Töpfer im Wortlaut finden Sie unter
http://l.duh.de/p221113
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