(ots) - Einer beispiellosen Zockerei hinter dem Schleier
steuerlicher Illegalität folgte eine ebenso beispiellos öffentliche
juristische Aufarbeitung. Uli Hoeneß steht spätestens seit Donnerstag
vor den Trümmern seines Lebens(werks) - unabhängig von den
Erfolgschancen einer Revision. Dass dem Erschaffer eines
Weltkonzerns, den das Poltern ebenso kennzeichnet wie hochsensibles
soziales Denken, ein Prozess mit einem solchen Ergebnis gemacht
werden musste, beschädigt nicht allein ihn und die Marke FC Bayern
München. Fest steht: Die Vorab-Befürchtung eines Prominenten-Malus'
war mit der Explosion der Steuerschuld in schwindelerregende
Millionen-Höhen hinfällig. Und die Frage nach einem möglichen
Promi-Bonus für Hoeneß bereits mit der Eröffnung des Verfahrens
obsolet. Für das Gericht musste unerheblich sein, wie sich die Höhe
einer Strafe auf die Offenbarungsbereitschaft anderer
Steuerflüchtlinge auswirken könnte. Gleichwohl ist die Beurteilung
der Richter ein deutlicher Fingerzeig: Die Vollständigkeit und der
Zeitpunkt der Selbstanzeige sind die Hürden, über die es fehlerfrei
zu springen gilt. Ansonsten ist der Weg jenseits der
Millionen-Steuerschuld vorgezeichnet. Diese immerhin formulierte
Verschärfung trifft nun Hoeneß. Die Sinnhaftigkeit einer "wirksamen
Selbstanzeige" nebst Strafbefreiung ist auch nach der Causa Hoeneß zu
bezweifeln. Dass der Bayern-Macher strafrechtlich unbehelligt
geblieben wäre, wenn ihm seit Januar 2013 nicht zu viele Fehler
unterlaufen wären, stört das Rechtsempfinden nachdrücklich. Dass
Straftäter am Gemeinwesen die Rechtsprechung ausschalten können, wenn
Reue oder Druck sie zurücktreibt in die bizarre Begrifflichkeit der
Steuerehrlichkeit, ist und bleibt falsch.
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