(ots) - NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne)
fordert eine stärkere Förderung der "sprechenden Medizin" neben der
Apparate-Medizin im Gesundheitswesen. "Spitzenmedizin alleine macht
die Menschen nicht gesund", sagte Steffens der in Hagen erscheinenden
"Westfalenpost" (Montagausgabe). Das Gespräch mit den Patienten,
menschliche Zuwendung und notwendige Pflege seien im deutschen
Gesundheitssystem aber völlig unterfinanziert.
Steffens kritisierte, dass das Gesundheitswesen in vielen
Bereichen nicht an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet sei.
Immer noch würden in Kliniken Tagesabläufe nach der optimalen
Auslastung der Operationsräume ("dem Blinddarm in Zimmer acht und der
Gallenblase in Zimmer zwölf") bestimmt. "Wenn ein älterer Mensch aber
nach einer gelungenen Hüft-OP als Folge einer nicht auf seine
Bedürfnisse abgestimmtem Krankenhausroutine mit einer postoperativen
Demenz verwirrt nach Hause entlassen wird, hat er an Lebensqualität
eingebüßt", klagte Steffens.
Die NRW-Ministerin appellierte an den neuen
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), dass die "sprechende
Medizin und menschliche Zuwendung endlich angemessen finanziert
werden". Steffens begrüßte die Ankündigung von Gröhe, die Qualität
zum entscheidenden Kriterium für die ambulante und stationäre
Versorgung zu machen. Neben der Stärkung der sprechenden Medizin
verlangte Steffens aber einen neuen verbindlichen
Pflegekraftschlüssel in Kliniken. Während die Zahl der Ärzte in
Krankenhäusern in den letzten zwölf Jahren um 32 Prozent angestiegen
sei, sei die Zahl der Pflegekräfte sogar leicht gesunken.
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