(ots) - Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report
Mainz" wird Deutschland sein Ziel verfehlen, mindestens 5 Prozent der
Wälder bis 2020 zu unberührten Urwäldern umzuwandeln. Die
Bundesregierung hatte sich 2007 im Rahmen des UN-Übereinkommens über
die biologische Vielfalt international verpflichtet, mehr für den
Waldschutz zu tun. In öffentlichen Wäldern sollen es sogar 10 Prozent
sein. "Report Mainz" beruft sich auf eine bislang weitgehend
unbekannte Studie des Bundesamtes für Naturschutz. Danach wird
Deutschland nicht einmal die Hälfte des angestrebten Wertes
erreichen. Bislang sind es nur 1,9 Prozent.
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Mitglied des Sachverständigenrats für
Umweltfragen der Bundesregierung, sieht als Verantwortliche die
Bundesländer. Statt die alten Waldbestände zu schützen, würden sie zu
Geld gemacht. "Wir stellen in einigen Bundesländern eine erhebliche
Zunahme der Intensivnutzung, der kommerziellen Nutzung fest und das
ist für die Artenvielfalt ein sehr großes Problem, denn 14
Vogelarten, 205 Pflanzenarten und 1284 Pilzarten sind in den
deutschen Wäldern gefährdet." Nach Informationen von "Report Mainz"
werden uralte Buchen unter anderem nach China exportiert. Dabei
gelten insbesondere alte Buchen ökologisch als besonders wertvoll.
"Report Mainz" ist in Hessen und Bayern den Hinweisen von
Naturschützern nachgegangen. Die Filmaufnahmen zeigen, wie radikal
Buchenwälder in Schutzgebieten abgeholzt werden und das Holz
tonnenweise nach China verladen wird.
Auch die Waldexpertin von Greenpeace, Gesche Jürgens, äußert sich
über die Vorgehensweise der Bundesländer kritisch: "Insbesondere die
alten Buchen werden stark eingeschlagen. Wir haben die Befürchtung,
dass dadurch der ökologische Wert gerade der alten Buchenwälder stark
verringert wird. Von diesen Wäldern gibt es in Deutschland nur ganz
wenige, daher wäre der Schaden besonders groß. Deutschland kann nicht
von anderen Ländern die Erhaltung des Regenwaldes verlangen, wenn es
nicht bereit ist, eigene Ökosysteme zu schützen. Das ist
scheinheilig." Daten, wie sich die Bestände der alten Bäume in den
einzelnen öffentlichen Forstbetrieben entwickelt haben, wollte Bayern
nicht herausgeben und beruft sich auf "Betriebsgeheimnisse".
Zitate gegen Quellenangabe "Report Mainz" frei. Fragen bitte an
"Report Mainz", Tel. 06131/929-33351.