PresseKat - BERLINER MORGENPOST: Ruhe im Alltag als Zeichen von Reife - Leitartikel

BERLINER MORGENPOST: Ruhe im Alltag als Zeichen von Reife - Leitartikel

ID: 303917

(ots) - Er macht etwas mit uns, der Terror. Wer hat nicht
schon seine Mitreisenden im Flieger argwöhnisch beäugt? Wer hat nicht
schon mal über die verirrten Fanatisierten geschimpft und über jene,
die mit ihrer islamistischen Denke sympathisieren? Wer zuckt nicht
zusammen, wenn er mitten im friedlichen Berlin eine Maschinenpistole
vor dem Bauch eines Polizisten baumeln sieht? Und wer wird gerne
durchgescannt und abgetastet, ehe er das Berliner Abgeordnetenhaus,
den Sitz unserer Volksvertreter, betreten darf? Die verschärfte
Sicherheitslage hat das Zeug, unsere freiheitliche Kultur zu
bedrohen, gerade in einer vielfältigen, toleranten Stadt wie Berlin.
Es ist eine große Leistung der deutschen und der Berliner
Gesellschaft, dass es trotz der Warnungen vor Anschlagsplänen
islamistischer Terroristen auf Ziele in der Hauptstadt keine Spur von
Hysterie gibt. Die Bürger haben die in ihnen schlummernden Impulse
des Misstrauens, der Angst und der offenen Ablehnung im Griff. Der
sicher nicht zur Dramatisierung neigende Innensenator Ehrhart Körting
spricht von einer neuen Qualität der Terrorwarnungen. Sie seien
plausibel und konkreter als frühere Propagandameldungen auf
Videofilmen. Bemerkenswert ist die Eintracht aller politischen Lager
in der Berliner Landespolitik. Wenn selbst Innenpolitiker der Grünen
und der Linken die besonnenen Warnungen des Bundesinnenministers
Thomas de Maizière loben, dann zeugt das in unserer an
Schaufensterstreit so reichen Zeit von politischer Reife. Die
Reaktion auf die Zumutungen des Terrors dient als Gradmesser für
Zivilisiertheit von Bürgern und Politikern gleichermaßen. Diejenigen,
die wie schon seit Jahren reflexhaft und wahllos nach schärferen
Gesetzen rufen, um die Freiheiten der Bürger im Interesse eines nicht
erfüllbaren Versprechens von absoluter Sicherheit einzuschränken,




sind nur eine kleine Minderheit im Land. Berlin lässt sich nicht von
anonymen Mordgesellen seinen Lebensrhythmus vorgeben. Die Kneipen und
Theater sind voll wie eh und je, in den Sportarenen drängeln sich die
Massen, Kaufhäuser und Weihnachtsmärkte sind gut besucht. Am
Wochenende darf unser Formel-1-Champion durch den Tiergarten rasen.
Muslimische Mitbürger können ihren Geschäften nachgehen, ohne von der
Mehrheit in Mithaftung für die Radikalen genommen zu werden. Es
besteht kein Grund, mit alarmistischem Gerede über zu wenige oder zu
schlecht ausgestattete Polizisten Unsicherheit zu schüren, wie das
verschiedene Gewerkschafter in vollständiger Verkennung ihrer Aufgabe
tun. Die Sicherheitskräfte in Deutschland und in Berlin haben bisher
sämtliche Bedrohungslagen erfolgreich bewältigt. Selbst wenn es
einmal einen Anschlag geben sollte in Deutschland: Toleranz,
Bürgerrechte und Offenheit dürfen nicht geopfert werden, selbst wenn
wohl jeder im Falle des Falles solche Gedanken hegen sollte. Die
Bürger anderer Städte wie London, Madrid oder Mumbai haben es auch
fertiggebracht, nach tödlichem Terror zivilisiert zu bleiben - und
klaglos ihre Taschen durch die Kontrollen zu schieben.



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Datum: 25.11.2010 - 19:19 Uhr
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