(ots) - Es kam, wie es kommen musste in einem Prozess,
in dem der Angeklagte mehr will, als nur freigesprochen zu werden.
Gustl Mollath will die Verhandlung um jeden Preis selbst steuern.
Mollath will Wiedergutmachung, seine Rehabilitation dadurch erlangen,
dass sämtliche Verwicklungen und Intrigen, die gegen ihn gesponnen
worden seien, aufgedeckt werden. Aber in einem Strafprozess geht es
darum, über das zu entscheiden, was in der Anklageschrift steht. Und
dort steht: Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung,
Sachbeschädigung. Dazu gehört natürlich auch die Überprüfung, welche
Motive die Ex-Frau des Angeklagten gehabt haben könnte, ihn falsch zu
belasten. Die Hauptbelastungszeugin schweigt - Mollath tut dies
ebenso. Nun kam es wieder zum Bruch zwischen Verteidigern und Mandant
- der Prozess platzte nur nicht, weil die beiden Verteidiger bisher
einen so hervorragenden Job gemacht haben. Davon sind Richterin und
Staatsanwalt überzeugt. Dumm nur, dass Mollath nicht mehr daran
glaubt. Egal, zu welcher Überzeugung das Gericht am Ende gelangt, das
Vertrauen in die Justiz wird er nicht wieder erlangen. Dabei steht
zweifelsfrei fest: Das Gericht will die Sache akribischst aufklären
und ihm eine zweite Chance geben - dafür sprechen 17 Verhandlungstage
und 44 Zeugen bei vergleichsweise minderschweren Vorwürfen. Mollath
hat andere Ziele - nun droht, dass er, das vermeintliche Justizopfer,
das Verfahren zur Farce herabwürdigt. Das hat er selbst zu
verantworten. Sein Verteidiger Strate, der ihn eineinhalb Jahre lang
ehrenamtlich vertrat, drückte das vor wenigen Tagen so aus: "Herr
Mollath kann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden."
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