(ots) - Bevor die Kanzlerin in den Sommerurlaub
entschwindet, schaut sie alljährlich bei der Bundespressekonferenz
vorbei. Das Ritual wiederholt sich seit Merkels Amtsantritt nach dem
immer gleichen Schema: Die Journalisten kommen, um möglichst viel zu
fragen. Die Kanzlerin kommt, um möglichst wenig zu antworten.
Über Merkels jährliche Sommerpresse-Konferenz kann man alles
mögliche sagen: Dass sie etwas dröge sind und dass Regierungssprecher
neben Merkel gern mal mit dem Schlaf kämpfen zum Beispiel. Nur eins
kann man nicht über Merkels Auftritte vor der Bundespressekonferenz
sagen: dass die Kanzlerin den Journalisten Rede und Antwort stünde.
Merkel arbeitet diesen Auftritt Sommer für Sommer wie eine
Vertragsstrafe ab, die ihr lästigerweise für den Kanzlerinnen-Job
aufgebürdet wurde. Und sie gibt sich wenig Mühe zu verbergen, dass
sie keinen großen Mitteilungsdrang zu ihrer Politik gegenüber der
Öffentlichkeit verspürt.
Wüsste man nicht, was gerade so los ist in der Welt, könnte man
angesichts von Merkels unverbindlichen Antwort-Vermeidungen
tatsächlich denken, es sei irgendwie doch alles in Ordnung oder aber
wenigstens nicht so schlimm. Und wenn man Mutti nur in Ruhe machen
lasse, dann werde das auch alles werden. Irgendwie. Ist sie im ersten
Jahr der großen Koalition nicht von der SPD ausregiert worden?
Antwort: "Wir treten als Gemeinschaft an." Was sagt sie zu dem
Flugzeug-Abschuss, der wahrscheinlich größten Terror-Tat seit
Jahrzehnten in Europa? "Das müssen wir ernst nehmen." Und so geht das
in einem fort. Als sich ein Journalist zu fragen wagt, was genau ihr
persönlicher Beitrag zur Leistung der großen Koalition gewesen sei,
sagt sie leicht angegiftet: "Vielleicht fällt Ihnen ja was ein.
Irgendwie war ich beschäftigt."
Das trifft es ganz gut. Aktuell steht die halbe Welt in Brand.
Bürgerkrieg in der Ukraine, neuer Nahostkrieg in Gaza, Isis-Terror in
Syrien und dem Irak, Kampf um das Führungspersonal bei der EU, Krise
im Verhältnis zu den USA und im Inland die Maut-Debatte. Tatsächlich
ist Merkel mit all dem "irgendwie beschäftigt". Nur wie, das sagt sie
leider nicht. Das macht ihren Politik-Stil so ermüdend
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