(ots) - Man muss kein Marketingprofi sein, um zu erkennen,
dass die Botschaft dieses Bildes funktioniert: die Kanzlerin in der
Kabine. Angela Merkel bei der Fußball-Nationalmannschaft. Die
Botschaft des Bildes lautet: Wir sind Deutschland, wir sind Sieger,
wir tun euch da draußen gut. Es haben schon andere deutsche
Regierungschefs die Nähe zur Nasszelle gesucht, aber Merkel geht auf
ihrem Weg Richtung Dusche besonders zielstrebig vor. Im Jahr 2010 hat
sie sich im Berliner Olympiastadion mit dem halbnackten Mesut Özil
ablichten lassen, er sollte herhalten als Beispiel gelungener
Integration. Damals gab es Ärger, weil ihr Besuch nicht angemeldet
war. Nun, in Salvador, war alles angekündigt und durchgeplant bis ins
Detail. Merkel trägt einen Blazer und eine Hose in einem Rot und
Weiß, das exakt den Farben der Spielerklamotten entspricht. Sie steht
in der Mitte, zwischen ihren Lieblingen Schweinsteiger und Podolski.
Die Spieler tragen Badelatschen, Özil und Schweinsteiger haben eine
Deutschland-Fahne um den Hals, die Trinkflaschen vorn sind
schwarz-rot-gold. Das soll spontan wirken und ist inszeniert wie ein
Gemälde. Merkel hat sich dann noch mit Podolski für einen
Schnappschuss mit dem Smartphone zur Verfügung gestellt, der nun im
Internet Karriere macht. Ist das nicht jugendlich, locker, modern?
Nein, das ist knallhart kalkuliert. Die Politik hat schon immer gern
mit dem Sport gekuschelt, wenn er glänzte. Kein Wunder: Der Sport ist
bunt, er ist jung, er strotzt vor Kraft und Emotion. Angela Merkels
Drang zum Fotoshooting aber beweist, welch absurde Dimension der
Fußball während einer WM mittlerweile hat. Es gibt kein Thema, das
das Land quer durch alle Altersklassen und Schichten so
leidenschaftlich vereint. Jeder versucht, von diesem Turnier zu
profitieren, vom Bäcker um die Ecke über den örtlichen Autohändler -
bis nun eben zur Kanzlerin. Selbst wenn ihr Auftritt anbiedernd
anmutet, wird sie von ihm profitieren. Weil Bilder im Kopf bleiben,
gerade in unserer schnelllebigen Zeit.
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