(ots) - Natürlich wäre die Welt ein bisschen heiler, wenn
sich umsetzen ließe, was die Bremer Heimstiftung empfiehlt: eine
"neue Sorgekultur", weniger starre Strukturen, mehr Prävention, mehr
regionale Lösungen. Kurz: "Caring Communities", ein neuer Name für
eine gute, aber im Grunde alte Idee. Sie wurde über Jahrhunderte
praktiziert, in Großfamilien, im Dorf, in der Nachbarschaft - man
sorgte füreinander und sich umeinander. Zugrunde lag ein
Generationenvertrag besonderer Art, ungeschrieben, unausgesprochen,
aufrecht erhalten durch soziale Kontrolle, die gute Sitten und den
Pfarrer, der sonntags ins Gewissen redete. Es mag sein, dass man so
etwas heute wiederaufleben lassen kann - siehe
Mehrgenerationenhäuser, in denen sich Wahl-Großfamilien
zusammenfinden. Allerdings kann man eine "neue Sorgekultur" nicht
erzwingen. Angesichts der heutigen Situation vieler Familien scheint
die Gesellschaft leider von einer anderen Art von Kultur erfasst, der
galoppierenden Ichisierung. Dass die Pflegepolitik reformbedürftig
ist, steht außer Frage. Bevor Freiwillige Lücken stopfen, wäre ein
möglicher erster Schritt, keine größeren entstehen zu lassen - durch
angemessene Bezahlung für einen in jeder Hinsicht harten Beruf. Dann
wäre die Welt auch schon ein bisschen heiler.
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