(ots) - Wenn ab heute die Schüler in Bayern ihr Abitur
schreiben, dann ist das auch eine Premiere: Zum ersten Mal haben sich
sechs deutsche Bundesländer auf gemeinsame Aufgaben verständigt.
Dadurch soll der Abschluss einheitlicher werden - und das ist
wichtig, schließlich bewerben sich viele Abiturienten ja in einem
anderen Bundesland um einen Studienplatz. Wenn man genauer hinschaut,
kann trotz länderübergreifender Aufgaben beim Abitur aktuell von
Vergleichbarkeit aber keine Rede sein. Zum einen gelten nicht überall
dieselben Bedingungen: Bei der Einlesezeit für das Deutsch-Abitur hat
Bayern zwar nachgesteuert und 15 Minuten zusätzlich gewährt.
Mathematik müssen aber alle Schüler im Freistaat auf erhöhtem
Anforderungsniveau belegen, während Schüler in anderen Bundesländern
zwischen Grund- und Leistungskursniveau wählen können. In einigen
Ländern wie Hamburg, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein ist Mathe
zudem keine Pflichtprüfung. Zum anderen - und das ist das größere
Problem - werden die in der Oberstufe erreichten Leistungen nicht in
allen Bundesländern gleich gewertet. In Hamburg kann ein Schüler etwa
deutlich mehr schlechte Noten streichen und muss nur die 32 besten
Halbjahresleistungen ins Abitur einbringen. Dadurch wäre es im
Extremfall rechnerisch möglich, dass ein Schüler, der in Hamburg
seinen Abschluss mit 1,9 macht, in Sachsen-Anhalt mit denselben Noten
nicht einmal zum Abitur zugelassen würde. Solange die Bundesländer
alle ihr eigenes Bildungs-Süppchen kochen, ist ein einheitliches
Abitur nicht möglich. Es wird Zeit, den Föderalismus im
Bildungsbereich aufzugeben - zugunsten von gemeinsamen Lehrplänen,
Unterrichtsmaterialien und Prüfungsordnungen. Dann wären auch die
Probleme, die Schüler und Lehrer bei einem Umzug in ein anderes
Bundesland haben, endlich Vergangenheit.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten(at)mittelbayerische.de