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BERLINER MORGENPOST: Im Herzen der Quote arbeiten Männer/ Ein Leitartikel von Philip Volkmann-Schluck

ID: 1038418

(ots) - Im Sinne der Quote hat sich Heiko Maas selbst als
"Rückschlag" bezeichnet: Seit 15 Jahren ist der SPD-Politiker der
erste männliche Justizminister, zugleich aber der erste mit
verbindlichem Auftrag, den Anteil von Frauen in Führungsetagen
gesetzlich zu erhöhen. Das ist kein Widerspruch, zeigt aber: Es ist
ein Unterschied, eine Quote zu fordern oder sie zu realisieren. In
der Praxis finden sich zuweilen schnell Gründe, einen Posten mit
einem Mann zu besetzen. Wenn Maas das in seinem eigenen Einzelfall so
sieht - es wäre legitim.

Weniger verständlich aber ist die Personalpolitik des
selbsternannten "Frauenförderers". Ein Blick in sein Ministerium
zeigt: Im Herz der Frauenquote arbeiten vor allem Männer. Bei den
wichtigen Staatssekretären stehen drei Männer einer Frau gegenüber.
In der Wirtschaft würde der Minister das kaum durchgehen lassen.
Anfang der Woche hatte er mit Arbeitsministerin Manuela Schwesig
(SPD) "Leitlinien" vorgestellt, die allein für die Aufsichtsräte der
größten Börsen-Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen vorsehen.

"Wir haben heute die am besten ausgebildeten Frauen überhaupt",
sagte Maas. Sollte heißen: es gibt keine Ausreden, wenn Männer nur
Männer einstellen. Doch beherzigt haben Maas und seine Partei diese
Aussage offenbar nicht, als sie vor wenigen Monaten den
Führungszirkel des Justizministeriums bestimmt haben. In der Praxis
haben sich offenbar schnell Gründe gefunden, diese Posten mit Männern
zu besetzen. Mal wieder.

Es geht hier weniger um Sinn oder Unsinn von Frauenquoten. Sondern
darum, was ein Politiker sagt und wie er handelt. So betrachtet sieht
es nicht gut aus im Justizministerium, das auch insgesamt mit 26
Prozent weiblichen Führungskräften (noch) auf den schlechteren
Plätzen der Staatsapparate steht. Das muss sich ändern. Wenn in




politisch formbaren Strukturen die herrschende Regierungslehre nicht
umgesetzt wird - wo dann?

Die Debatte über "weibliche Talente" gehört hier nicht hin. Bürger
mögen privat ihre gegenwärtige Sicht auf die Geschlechter
austauschen. Letztlich hat die Geschichte immer gezeigt, dass jedes
Geschlecht jeden geistigen Beruf studieren und ausüben kann, dass die
Wahl der Fächer Erziehung und Zeitgeist unterworfen ist. Eine
Regierung, die zu Recht Gleichstellung will, muss eigene Jobs
vorbildhaft besetzen, um Anreize zu schaffen. Erst dann darf sie die
Quote zum Gesetz machen.



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Datum: 26.03.2014 - 20:34 Uhr
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