(ots) - Das ist viel Geld. 120 Millionen Euro soll die
Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin in diesem Jahr kosten. Fast
dreimal so viel wie ursprünglich geplant. Denn es werden in Berlin
viel mehr Menschen um Asyl bitten als im vergangenen Jahr. Etwa 8000
Asylbewerber, hat das Bundesamt für Migration errechnet, könnten es
dieses Jahr in Berlin sein. Zusätzlich zu den 15.000, die schon hier
leben. Einerseits ist das eine Herausforderung für die Stadt.
Finanziell, organisatorisch und auch menschlich. Andererseits: Ist es
das wirklich?
Zum Vergleich: Die Versorgung der Flüchtlinge kostet etwa
dreizehnmal so viel, wie Berlin dieses Jahr für die Sanierung von
Sportstätten ausgibt. Oder ungefähr sechzehnmal so viel, wie die BVG
in die Sanierung des U-Bahnhofs Leinestraße investiert. Andererseits
ist es aber viel weniger, als etwa der Unterhalt des nicht eröffneten
Flughafens BER im Jahr kostet. Das sind gut 200 Millionen Euro.
120 Millionen Euro sind viel, doch man muss auch fragen, wie diese
Kosten entstehen. Denn die steigen auch, weil sich Asylverfahren oft
über Monate oder gar Jahre hinziehen. Selbst Antragsteller ohne jede
Erfolgsaussichten werden staatlich versorgt, bis die Gerichte
entscheiden. Es mag Menschen geben, die ein Leben in überfüllten
Gemeinschaftsunterkünften, ohne Job und Zukunftsaussichten für
erstrebenswert halten. Die meisten empfinden es jedoch als
staatliches Almosen, das sie nicht wollen und auch gar nicht
brauchen. Gerade Flüchtlinge aus Syrien und afrikanischen Ländern
sind oft jung und gut ausbildet.
Das deutsche Asylgesetz stammt aus Zeiten der
Massenarbeitslosigkeit nach der Wende. "Die nehmen uns die
Arbeitsplätze weg", hieß es damals. Heute ist von "Flucht in die
Sozialsysteme" die Rede. Es herrscht Sorge mit Blick auf die
europäischen Grenzen. Wie viele kommen noch?
Am Kreuzberger Oranienplatz zeigt sich gerade, wie hilflos die
lokale Politik angesichts dieser Fragen ist. Andererseits zeigen
immer mehr Bürgerinitiativen rund um die Asylbewerberheime, wie viele
Berliner das Thema bewegt. 15.000 Asylbewerber leben zurzeit in der
Stadt, bis Jahresende werden 8000 dazukommen. Ist das viel, im
Vergleich zu 3,5 Millionen Berlinern? Oder: zu zwei Millionen Syrern
auf der Flucht? Dass Berlin Flüchtlinge aufnimmt, ist keine
Herausforderung. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Dass dadurch
Kosten entstehen, leider auch.
Der Leitartikel im Internet: www.morgenpost.de/126106708
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