(ots) - Noch 'ne Titelverteidigung, die misslungen ist. Nun
hat ausgerechnet auch die frühere Bundeswissenschaftsministerin
Annette Schavan ihren akademischen Doktortitel verloren. Die
Düsseldorfer Verwaltungsrichter haben bestätigt, was die Universität
Düsseldorf vor einem Jahr verkündet hatte: Aberkennung des
akademischen Titels wegen zu vieler Plagiate in ihrer
Promotionsarbeit von 1980. Das ist für eine allseits anerkannte und
in zahlreichen Ämtern bewährte Bildungspolitikerin bitter. Aber auch
unumgänglich, sollen akademische Prüfungen, Titel und Karrieren in
diesem Land, dessen wichtigsten Ressourcen die geistigen sind,
glaubwürdig bleiben.
Gewiss, der Fall Schavan ist schwerlich vergleichbar mit den
Schummeleien ehrgeiziger Politiker vom Schlage eines Karl-Theodor zu
Guttenberg, des früheren FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis
oder dessen Parteifreundin Silvana Koch-Mehrin. Deren akademische
Schlampereien waren allzu offenkundig, weil an möglichst
arbeitsschonender Titelgewinnung ausgerichtet. Das ist bei Annette
Schavan, bei Aushändigung der Dissertationsurkunde 1980 gerade 24
Jahre jung, wohl anders gewesen angesichts dessen, dass ihr ganzes
berufliches und politisches Leben bestimmt ist von der Arbeit im
Bildungs- und Wissenschaftsbereich. Aber das verschafft ihr keine
Sonderrolle. Ob Diplomarbeit oder Dissertation - klare Regeln auch
für das Zitieren gab es schon damals wie es sie heute gibt. Wer
dagegen verstößt, weiß, was er tut. Und hat die Konsequenzen zu
tragen.
Das muss Selbstverständnis aller deutschen Hochschulen bleiben,
soll deren angekratzter Ruf nicht weiter beschädigt werden.
Deutschland, dessen wichtigster Grundstoff in seinen Universitäten
lagert, ist auf eine fundierte wie verlässliche akademische
Ausbildung angewiesen. Nur dann ist unser Lebensstandard im globalen
Wettbewerb zu verteidigen. Ausgerechnet der Ministerin Schavan wurde
vorgehalten, Zuschüsse an die Universitäten davon abhängig gemacht zu
haben, wie viele Promotionen und Habilitationen sie nachweisen
konnten. Masse statt Klasse darf nicht zum Motto akademischer
Ausbildung werden. Auch Titelsucht hat mit akademischem Anspruch und
akademischer Würde nichts zu tun.
Frau Schavan kann sich nach der verlorenen Titelverteidigung damit
trösten, dass sie zumindest eine Frau Dr. h.c. bleibt, honoris causa,
also ehrenhalber.
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