(ots) - Rekordgewinn, Rekordabsatz, Rekorddividende,
Rekordziele: BMW legte gestern wie erwartet hervorragende Bilanz für
das Jahr 2013 vor. Auf den zweiten Blick jedoch zeigt sich, dass der
Oberklasse-Hersteller es nicht dem Verkauf von Autos zu verdanken
hat, dass im vergangenen Jahr wieder die Kassenklingelten. Die
deutsche Autobranche manövriert durch schwierige Zeiten, und so
sendet auch BMW trotz Rekordrekorden gemischte Signale. Klar scheint
zunächst, dass die Schwellenländer, insbesondere China, enorm wichtig
für die Umsatzentwicklung der Oberklasse-Hersteller wie BMW bleiben.
Doch die Krimkrise in Russland sowie die Turbulenzen an den
Finanzmärkten anderer Schwellenländer zeigen, wie fragil diese Märkte
sein können. Auch bei der Elektromobilität scheint der Trend
eindeutig. Zurecht gilt der bayerische Autobauer hier als Pionier bei
der serienreifen Herstellung von E-Autos. Die Präsentation und vor
allem der Preis des i3 schockte die deutsche Konkurrenz, die von
einem ähnlichen Konzept weit entfernt ist. Sechsstellige Absatzzahlen
soll das Modell bis 2020 erzielen, sagt BMW-Chef Norbert Reithofer.
Auf der anderen Seite verdient BMW wie auch die anderen
Oberklasse-Hersteller nach wie vor sein Geld insbesondere mit
Geländewagen und Limousinen, deren CO2-Ausstoß sich alles andere als
fortschrittlich darstellt. Dass BMW auch weiterhin auf dieses Segment
setzt, zeigt der geplante Ausbau des US-Werks in South Carolina, wo
die Münchner unter anderem den x3 und x5 herstellen. Man könnte
argumentieren, dass die tonnenschweren CO2-Schleudern dazu da sind,
um die Milliardeninvestitionen in die Elektromobilität abzusichern,
bevor diese nennenswerte Umsätze erzielt. Oder andersrum: Die i-Serie
ermöglicht BMW, den Flottenverbrauch so weit nach unten zu drosseln,
dass weiterhin Gewinne mit SUV und Limousinen gemacht werden können.
So sagte Reithofer, man brauche E-Autos, wenn man weiterhin auch die
lukrativen, großen Wagen verkaufen wolle, "um vernünftig Geld zu
verdienen". Und vernünftig Geld verdienen wollen schließlich auch die
Anleger, die sich über die Gewinne, beziehungsweise die daraus
resultierenden Kurssteigerungen und Dividenden, freuen konnten. Mit
2,60 Euro je Stammaktie gab es auch hier einen Rekord, dank dessen
die Familie Quandt insgesamt 731 Millionen Euro einstreichen dürfte.
Chef Reithofers Bezüge kletterten auf mehr als sieben Millionen Euro,
die Vorstände erhielten zusammen 34,5 Millionen Euro und die
BMW-Arbeiter durften sich über eine Rekordprämie von 8140 Euro freuen
- allerdings nur die Tarifangestellten. Außerhalb der BMW-Familie
sieht es weniger rosig aus. Mit die Reduzierung des Anteils von
Leiharbeitern an der Gesamtbelegschaft auf die vereinbarten acht
Prozent tut sich der Autokonzern nach wie vor schwer, die Anzahl der
via Werkvertrag über Fremdfirmen angestellten Beschäftigten soll 2013
gestiegen sein. Und so ist auch trotz recht eindeutig wirkender Ziele
für 2014 - erstmals mehr als zwei Millionen Fahrzeuge verkaufen, beim
Gewinn vor Steuern stark zulegen - nicht klar, in welche Richtung BMW
die Weichen 2014 wirklich stellen wird. Staatliche Anreize, wie
beispielsweise die konsequente Förderung von Elektromobilität oder
eine klarere Linie bei der Arbeitnehmerüberlassung, könnten
sicherlich bei der Entscheidung helfen.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten(at)mittelbayerische.de