(ots) - Wäre die Charité keine gemeinnützige
Universitätsklinik, sondern ein normales Unternehmen, müssten nicht
wenige aus der Spitze des landeseigenen Betriebes jetzt Strafen
fürchten. Millionen Euro in eine geheime Parallelwelt außerhalb der
offiziellen Buchführung zu stecken und nicht in der offiziellen
Konzern-Bilanz auszuweisen, käme dem Tatbestand der
Steuerhinterziehung wohl sehr nahe.
Aber die Charité ist keine steuerpflichtige Firma. Die ehrwürdige
Universitätsklinik umgibt sich mit einer Art Heiligenschein. Man tut
ja Gutes, heilt Menschen, erforscht Krankheiten, bringt die
Wissenschaft voran. Da möge man sich mal nicht so haben, wenn die
Regeln ordnungsgemäßer Bilanzierung überaus großzügig ausgelegt
werden. Zumal dann, wenn das Geld, wie zugesichert, der Wissenschaft
und damit irgendwie dem von den Zuwendungsgebern intendierten Zweck
zufließt.
Jedem aufrechten Parlamentarier muss das selbstherrliche Auftreten
der Mediziner die Zornesröte ins Gesicht treiben. Bei dem
millionenschweren Fonds der Fakultät handelt es sich größtenteils um
Steuergelder. Über deren Verwendung entscheiden in Deutschland immer
noch gewählte Volksvertreter und nicht ein Klüngel von Professoren,
die sich wechselseitig bedienen und sich so womöglich für die
Fakultätswahlen Gefolgschaft sichern.
Niemand kann derzeit ausschließen, ob die weitere Prüfung der
Fonds nicht strafrechtlich relevante Fragen ans Licht fördert. Auch
Professoren sind Menschen, die vielleicht gerne mal in der
Businessclass zum Mediziner-Kongress fliegen. Offenbar wurden mit den
Geldern aus dem Fonds auch Tagungen finanziert - um anderen Kollegen
einen Gefallen zu tun? Solche Weitungen sind noch Spekulation, klar
ist jedoch: Die Vorgänge an der Berliner Charité können die
Wissenschaftslandschaft in Deutschland erschüttern.
Bundestagsabgeordnete müssen jetzt prüfen, ob die gewährten
Pauschalen für die Verwaltung von Forschungsprojekten nicht zu hoch
sind. Berliner Abgeordnete müssen sich fragen, warum sie der Charité
die Zuschüsse erhöhen sollen, während gleichzeitig die
Wissenschaftler unbeobachtet Millionen hin- und herschieben, ohne die
auch für Forscher üblichen Qualitätskontrollen. Blankoschecks aus
Steuermitteln gibt es auch für die Wissenschaft nicht.
Der Kommentar im Internet: http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell
/article125523875.ece?token=-1416484843
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