(ots) - Frage der Perspektive
Sachlich gesprochen wird über den Salafismus eher selten. Lieber
wird er an die Wand gemalt: Salafisten, das sind die Terroristen von
morgen - diese Ansicht wird immer wieder beschworen, ob nun gezielt
oder unbewusst. Derartige Schwarzmalerei führt aber nicht weit, sie
zementiert erst mal nur Feindbilder.
Gleichwohl - wenn eine derart rückwärtsgewandte Strömung wie der
Salafismus vermehrt Jugendliche anzieht, stellt sich nicht nur die
Frage, was an dieser islamischen Glaubensrichtung denn so reizvoll
ist. Vielmehr muss gefragt werden, was junge Menschen im Salafismus
zu finden hoffen, was sie anderswo zu suchen aufgegeben haben. Bei
deren Entscheidung, sich Salafisten-Gruppen anzuschließen, dürften
theologische Dispute um die korrekte Auslegung des Koran eine
untergeordnete Rolle spielen.
Man wird in dieser Frage daher nicht umhinkommen, die bei jungen
Menschen um sich greifende Perspektivlosigkeit zu thematisieren. In
diese Rechnung wird auch das Bildungssystem, das diese
Perspektivlosigkeit oft noch befeuert, einbezogen werden müssen. Und
es muss über Integration gesprochen werden, natürlich - aber ebenso
über Toleranz, und zwar in der gesamten Gesellschaft. Das würde mehr
bringen als immer neue Verbote von Salafisten-Vereinen. Denn bei
aller Terrorhysterie: Das eigentliche Problem ist, dass religiöser
Radikalismus die demokratische Kultur aushöhlt. Eine Gefahr, die
nicht minder real ist.
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