PresseKat - Mittelbayerische Zeitung: Schöne Sportler-Spiele / Sotschi war besser als gedacht und besser als es

Mittelbayerische Zeitung: Schöne Sportler-Spiele / Sotschi war besser als gedacht und besser als es sich mancher gewünscht hat - und das ist gut so. Leitartikel von Claus-Dieter Wotruba

ID: 1023094

(ots) - Und, wie war's? Die Olympischen Winterspiele
finden ihren Abschluss und haben die Vorverurteilungen der
Lästermäuler nicht erfüllt: Nichts, was zuvor lang und breit
diskutiert wurde, hat die Spiele überschattet. Für den größten
Missklang sorgt der deutsche Dopingfall Sachenbacher-Stehle, doch
mehr national als international. Wer die Athleten fragt, hört nahezu
einhellig: Es war schön, schöner als anderswo gar - und das ist das
Wichtigste. Natürlich bleiben die Kernfragen olympischer Gigantomanie
bestehen. Doch das ist kein russisches Problem, das muss an anderer
Stelle in Angriff genommen werden. Angekündigt hat es der deutsche
IOC-Präsident Thomas Bach. Ob Taten folgen? Wer einmal in der
Dimension von riesigen Supermarktketten angekommen ist, wird nicht
zum putzigen und familiären Stil des Tante-Emma-Ladens zurückkehren.
Das Milliardengeschäft mit dem Sport lässt schön grüßen. Dadurch,
dass alles so gut geklappt hat und Sotschi somit viel mehr Lob als
Tadel einheimst, ist Wladimir Putin natürlich einer der Gewinner.
Eine solche Bilanz drängt dazu, von Missbrauch zu sprechen, weil eine
so umstrittene Figur profitiert. Freilich ist eher diese Sicht ein
Missbrauch des Sports. Kann Sport lösen, was Politik und Gesellschaft
nicht schaffen? Schwerlich, nein. Vielmehr ist der Sport nur ein
Abbild jener Probleme. Die Sachlage ließe sich auch umdrehen: Durch
Sotschi wurde wenigstens eine Zeitlang diskutiert, was sonst
vielleicht im Verborgenen geblieben wäre. Wie hat ein Kollege in
einem Eishockey-Fachblatt so treffend geschrieben: "Zum Glück lassen
sich die Zuschauer nicht immer manipulieren, sie schauten Olympia,
obwohl Herr Putin nicht nett ist. Wir werden auch zur WM nach
Weißrussland (die Eishockey-WM findet dort 2015 statt, d. Red.)
fahren, obwohl die dortige Regierung noch viel weniger nett ist."




Veränderung in gesellschaftlichen Systemen zu schaffen, ist ein zu
großer Anspruch an den Sport. Das wird in Russland so wenig
funktionieren wie es in und nach Peking bei den Sommerspielen 2008
funktioniert hat. Mit Verlaub sei auch darauf hingewiesen, dass so
etwas wie der Ursprung von Propagandaspielen immer noch 1936 in
Berlin liegt. Schein und Sein sind und bleiben deswegen natürlich ein
Thema. Doch zwischen genau hinschauen und Dauernörgeln ist ein
Unterschied. Selbstverständlich bleibt es umstritten, ein
Wintersportzentrum aus dem Boden zu stampfen. Selbstverständlich ist
uns die Art und Weise, mit verletzten Menschenrechten und
Zwangsräumungen, zu Recht fremd. Doch wenn in den Alpen in
Frankreich, Deutschland oder Österreich Schneisen geschlagen werden
und Betonbunker entstehen, ist die Art der Umweltzerstörung auch
nicht vorbildlich. Und, wie war's? Die Frage gilt natürlich auch dem
durchaus gelungenen, aber nicht überwältigenden Abschneiden der
Deutschen, die sich gerne als die Besten der Welt sehen. Mittlerweile
wird Sport in Deutschland denn auch mehr und mehr zu einem
gesellschaftlichen Thema: Es geht vor allem darum, wie man
Spitzenleute heranzieht. Mehr und mehr Stimmen werden laut, dass die
Problematik in der Basisarbeit liegt. Ist Sport noch ein zentrales
Anliegen hierzulande? Zum Beispiel im schulischen System? Nein,
andere Länder sind weit voraus und entwickeln kreativere Ansätze. Und
wie wird's und war's? Die Frage wird bleiben. 2018 finden die
nächsten Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea statt. Das bietet im
Vorfeld genügend Stoff für Fragen und Antworten jedweder Couleur. Im
Sommer 2015 werden die Winterspiele 2022 vergeben, sinnigerweise im
tropischen Kuala Lumpur in Malaysia. Zur Wahl stehen Krakau in Polen,
Almaty in Kasachstan, Lemberg in der Ukraine, das Wintersportmekka
Oslo in Norwegen - und Peking! Es ist also nicht zu erwarten, dass
der Diskussionsstoff um Olympiaorte so schnell ausgeht.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten(at)mittelbayerische.de


Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  an Freund senden  Lausitzer Rundschau: Die Luxus-Reform
 
Bundestag beschließt Anhebung der Diäten WAZ: Das NRW-Wissenschaftsministerium spielt ein schmutziges Spiel
 - Kommentar von Ulrich Reitz
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 21.02.2014 - 21:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1023094
Anzahl Zeichen: 4353

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 0 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Schöne Sportler-Spiele / Sotschi war besser als gedacht und besser als es sich mancher gewünscht hat - und das ist gut so. Leitartikel von Claus-Dieter Wotruba"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Alle Meldungen von Mittelbayerische Zeitung