(ots) - Das Projekt ist gewaltig: Eine Distanz von 800
Kilometern muss überwunden werden. Mit Strommasten - das wäre die
eindeutig hässlichere, aber billigere Variante. Theoretisch könnten
auch Erdkabel verlegt werden, die Kosten würden gigantisch sein. Und
auch gegen Erdkabel formieren sich Bürgerinitiativen, wegen
Elektrosmogs, beispielsweise in Göttingen. Also fände nur eine
Variante die Akzeptanz aller: die Quadratur-des-Kreises-Trasse. Nicht
ober- und nicht unterirdisch, aber leit- und leistungsfähig, sicher
und nicht zu teuer, gebaut ohne Lärmbelästigung, Umleitungen und ohne
der Natur einen Halm zu krümmen. Nun kann man in Verden und in allen
anderen Orten, wo Landschaft verstellt, zerschnitten und auch
zerstört wird, wahrlich nicht begeistert sein von den Trassenplänen.
Strommasten sind vor allem auf schicken Schwarz-Weiß-Fotos schön. In
Bayern, wo eine weitere Höchstspannungsleitung von Oberfranken nach
Schwaben führen soll, hat sich bereits heftiger Protest formiert. Das
wird in Niedersachsen nicht anders sein, das ist auch das gute Recht
der Betroffenen. Nur wie soll das Zukunftsprojekt Energiewende
gestemmt werden, wenn jedes Einzelinteresse gleichrangig
berücksichtigt werden soll? Mit der geplanten Stromtrasse wiederholt
sich, was so gut wie bei jedem neuen Windpark geschehen ist:
Windkraft, ja, aber nicht bei uns. Nicht im Allgäu und nicht im
Erzgebirge, nicht in Thransheide und nicht in Kleinbüllesheim, auch
nicht in der Nordsee. Doch wer Wind- statt Atomstrom will, muss ihn
transportieren. Die Bundesrepublik bietet für eine
Nord-Süd-Verbindung keine Variante, die jede Gemeinde verschonen
könnte. Und außen rum sozusagen geht nun mal nicht. Irgendwer muss
für die Energiewende mehr in Kauf nehmen als andere. Wie die Anwohner
von Bahnstrecken, Autobahnen und Flughäfen es auch müssen. Das ist
ungerecht, aber unabänderlich. Für die Energiewende werden womöglich
die Verdener einen hohen Preis zahlen müssen. Aber einen deutlich
höheren Preis haben immer noch die Bewohner von Fukushima gezahlt.
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