(ots) - Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen
stützt ihre Pflegepolitik unter anderem auf Studien, aus denen
hervorgeht, dass die Menschen lieber zu Hause alt werden wollen als
im Heim. Dieses Ergebnis überrascht nicht, ist aber nur die halbe
Wahrheit. Befragt man Menschen, die selbst oder in der Familie mit
Pflegebedürftigkeit konfrontiert werden, gelangt man zu anderen
Ergebnissen. "Menschen in einer solchen Lebenssituation berichten
regelmäßig, dass sich ihre Lebensqualität durch den Einzug in ein
Pflegeheim erheblich verbessert hat", erklärt der Meinungsforscher
Dr. Helmut Jung.
Während die eigene Lebenssituation vor Einzug in eine stationäre
Einrichtung von den Betroffenen mit der Durchschnittsnote 3,1
bewertet wurde, wird die Situation nach Einzug ins Pflegeheim mit 2,2
bewertet. Zieht man die Angehörigen in die Befragung mit ein, so wird
der Unterschied sogar noch deutlicher: Sie benoten die Situation mit
3,7 und die spätere Situation im Pflegeheim mit 2,1. Als Gründe
hierfür führen sie die ständige gute Versorgung, vermehrte soziale
Kontakte und eine Verbesserung des Gesundheitszustandes an. Typische
Auslöser für die Entscheidung zum Umzug ins Pflegeheim sind
wiederholte Stürze in der eigenen Wohnung, fortgeschrittene Demenz,
aber sehr eindeutig auch die anhaltende Überforderung der
Angehörigen.
"Die Studie zeigt, dass es sich die Landesregierung mit ihrem
einseitigen Kurs zu einfach macht", ist sich der
nordrhein-westfälische Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater
Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), Christof Beckmann, sicher.
"Ministerin Steffens gefährdet mit ihrem Kurs gegen die stationären
Einrichtungen die langfristige Versorgungssicherheit im Land und
plant am Bedarf der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Familien
vorbei."
Zum Hintergrund: Die derzeit gut 170.000 vollstationären
Pflegeplätze in NRW decken den aktuellen Bedarf. Im Zuge des Abbaus
von Doppelzimmern werden bis 2018 mindestens 20.000 Pflegeplätze aus
dem Bestand verschwinden. Verschärfend kommt hinzu, dass die
demografisch prognostizierte Entwicklung zu einer Zunahme an
pflegebedürftigen - insbesondere auch demenzkranken - Menschen führen
wird. Der bpa geht von einem notwendigen Ausbau der vollstationären
Pflege um circa 10.000 weitere Pflegeplätze aus. Im Saldo würden
daher in den kommenden fünf Jahren mindestens 30.000 Pflegeplätze
fehlen, die nicht ohne Neubauten zu ersetzen sind. Neubauten sind
aber aufgrund der von der Landesregierung in Aussicht gestellten
Rahmenbedingungen nicht mehr kostendeckend realisierbar. Als einzige
"angemessene Alternative" sollen pflegebedürftige Menschen in
ambulanten Wohngemeinschaften versorgt werden.
bpa: Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V.
(bpa) bildet mit mehr als 8.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen, davon
fast 1.100 in Nordrhein-Westfalen, die größte Interessenvertretung
privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland.
Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der
Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater
Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen
die Verantwortung für rund 245.000 Arbeitsplätze und circa 18.900
Ausbildungsplätze. Das investierte Kapital liegt bei etwa 19,4
Milliarden Euro.
Pressekontakt:
Norbert Grote, Leiter der Landesgeschäftsstelle NRW, Tel.: 0211/311
39 30, www.bpa.de