(ots) - Wieder was gelernt: Ronald Pofalla beginnt, wie in
der "Welt" verlautet, gerade seine "Cooling-Off"-Phase. Er coolt sich
von seiner Zeit im Kanzleramt off, um sich anschließend offenbar in
der Deutschen Bahn AG wieder aufzuwärmen, mit einem geschätzten
Jahresgehalt von rund 1,5 Millionen Euro. Dagegen kann man zunächst
wenig sagen. Wenn eine Stelle futsch ist, muss man sich eine andere
suchen. Allerdings nennt man den nahtlosen Übergang von der Politik
in die Wirtschaft nicht von ungefähr Drehtüreffekt, und bei Pofalla
scheint er besonders effektvoll und geschmeidig auszufallen: Für ihn
soll bei der DB angeblich eine Abteilung geschaffen werden. Und so
gibt es vermutlich eine Reihe von Bürgern, die ebenfalls eine
"Cooling-Off"-Phase nötig haben - weil sie gerade ziemlich in Rage
sind. Zum einen haftet rasanten Wechseln von hohen Posten in der
Politik zu hoch dotierten Posten in der Wirtschaft etwas an, das mit
Geschmäckle unzulässig verniedlicht wird. Es geht um Filz. Es geht um
Hände, die sich gegenseitig waschen; darum, Einfluss zu nehmen - so
intensiv und indirekt wie nur möglich. Und zum anderen ist die Bahn
nicht irgendeine große Firma, sondern ein Staatsunternehmen. Sicher
muss es Verbindungen geben, zwischen Wirtschaft und Politik.
Vielfältig sind sie seit jeher: Unternehmen unterstützen Parteien mit
Spenden. Politiker sitzen - nicht nur bei der Bahn und auch in Bremen
- in Aufsichtsräten. Politiker halten gut bezahlte Vorträge oder
stolpern über Beraterverträge. Banken bekommen staatliche Hilfen,
Ackermann feierte seinen 60. im Kanzleramt. Und die Drehtür wird
genutzt - in beide Richtungen. Doch die Frage war und ist und bleibt:
Ist etwas angemessen, weil es gang und gäbe ist? Ist etwas richtig,
weil es recht ist, also juristisch über jeden Zweifel erhaben? Darf
sich Pofalla schon auf eine Art Gewohnheitsrecht berufen, weil die
politischen Sitten mehr und mehr verlottern? Pofalla ist
Sozialpädagoge und Jurist. Das allein ist noch keine
Disqualifikation. Falls die Gerüchte stimmen, er der Bahn irgendwie
nutzen soll und nicht nur untergebracht werden muss, zählen seine
politischen Kontakte. Gestatten, Ronald Pofalla, Chef der
Lobbyisten-Abteilung. Offiziell wird sie sich nur ein klein wenig
anders nennen.
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