(ots) - Die Prostituierten-Beratungsstellen Madonna
(Bochum), Kober (Dortmund) sowie das Gesundheitsamt Duisburg
betrachten mit Sorge, dass SPD und Union künftig Freier bestrafen
wollen, die wissentlich die Dienste von Zwangsprostituierten in
Anspruch nehmen. "Es dürfte für die Freier schwer zu erkennen sein,
ob es sich um eine Zwangsprostituierte handelt. Selbst für uns
Sozialarbeiter ist das schwer zu erkennen", sagte Iris Sperg vom
Duisburger Gesundheitsamt der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ,
Mittwochausgabe). Das von den Koalitionären geplante Gesetz dürfte
"wirkungslos verpuffen", so Sperg. Zwangsprostituierte seien eine
relativ kleine Gruppe und eher die Ausnahmen in diesem Gewerbe.
Ähnlich äußerten sich Elke Rehpöhler (Beratungsstelle Kober in
Dortmund) und Mechthild Eickel (Verein Madonna in Bochum). "Freier
können in der Regel nicht erkennen, ob eine Prostituierte freiwillig
oder unter Zwang arbeitet", sagte Mechthild Eickel. Elke Rehpöhler
fürchtet, ein härteres Prostitutionsgesetz würde Freier davon
abhalten, wie bisher mögliche Fälle von Zwangsprostitution zu melden.
"Das macht kein Kunde mehr, wenn er fürchten muss, bestraft zu
werden", gibt Rehpöhler zu bedenken.
Den Grünen geht die angestrebte Reform des Prostitutionsgesetzes
nicht weit genug: "Das geplante Gesetz tut zu wenig für die Opfer",
sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. "Ebenso wichtig
wie eine Strafe für Freier, die wider besseres Wissen Dienste von
Zwangsprostituierten in Anspruch nehmen, ist ein dauerhaftes
Bleiberecht für die Opfer von Zwangsprostitution." Das würde ihre
Aussagebereitschaft erhöhen und die Aufklärung krimineller Strukturen
ermöglichen, so die Politikerin.
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