NABU verwundertüber Backhaus-Kritik zur Veröffentlichung von Wolfszahlen

ID: 1549111
vorherige Pressemitteilung nächste Pressemitteilung

(ots) - Mit großer Verwunderung hat der NABU auf die Kritik
von Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus an der für
heute geplanten Veröffentlichung der Wolfsbestandszahlen reagiert.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und
Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) wollten heute die Daten
zur Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland präsentieren.

"Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein Agrarminister versucht,
von Experten erhobene Zahlen zu einem wichtigen Thema zurückzuhalten.
Das kommt einem Maulkorb gleich. Es muss doch gerade im Sinn der von
ihm vertretenen Interessengruppen, von Bauern, Jägern und
Naturschützern sein, transparente Zahlen zu haben und dementsprechend
Konzepte zu entwickeln", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif
Miller. Darüber hinaus seien die Zahlen aus dem Wolfsmonitoring
ohnehin bekannt, auch den Umweltministern.

Die erhobenen Daten zeigen eine konstante Entwicklung der
Wolfspopulation in Deutschland. Derzeit gehen die Experten von 60
Wolfsrudeln und 13 Paaren aus. Die Zunahme um 13 Rudel im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum liegt leicht unter dem langjährigen Mittel von
33 Prozent Wachstum pro Jahr (seit 2009). "Wachstumsraten von rund 30
Prozent sind in der Wildbiologie für Tierarten, die geeignete
Lebensräume neu besiedeln, völlig normal und freie Territorien und
Lebensräume gibt es genügend in Deutschland", so Miller. Natürliche
Faktoren, wie die territoriale Lebensweise sowie Beuteverfügbarkeit
und Krankheiten, begrenzten das Wachstum bereits heute und sorgten
langfristig für eine stabile Populationsdynamik. Auch sterben immer
wieder Wölfe durch den Straßenverkehr, aktuell die häufigste
Todesursache für Wölfe in Deutschland. Dazu kommen noch illegale
Tötungen. Seit 2000 sind deutschlandweit bereits 26 Wölfe illegal
getötet wurden, die Dunkelziffer ist ungewiss.



Der NABU begrüßt das vom BfN geplante Handlungskonzept
"Empfehlungen für den Umgang mit auffälligen Wölfen", das in Auszügen
bekannt ist. Auch die Kritik des Deutschen Jagdverbandes daran ist
für den NABU nicht nachvollziehbar. Es komme genau zur rechten Zeit
und ist ein wichtiger Baustein, um das Zusammenleben von Mensch und
Wolf möglichst konfliktarm zu gestalten. Das Handlungskonzept zeigt
exemplarisch, was als auffälliges Verhalten beim Wolf zu betrachten
ist und was nicht und welche Handlungskaskaden zu befolgen sind. Wie
das BfN richtig betont, müssen die Ursachen für auffälliges Verhalten
immer in Einzelfallbetrachtung durch die vorhandenen Expertinnen und
Experten untersucht werden.

"Politiker wie Herr Backhaus sind gut darin beraten, diese
Unterstützung nicht zu ignorieren und die vorhandene Kompetenz beim
Wolf zu nutzen, um Verfahrensfehler zu vermeiden und somit Gerichte
von unnötigen Klagen zu entlasten", so Miller weiter. Der NABU
appelliert an die Umweltministerkonferenz, die vom 15. bis 17.
November in Potsdam tagt, die DBBW, die auf Forderung der Länder
eingerichtet wurde, endlich als beratendes Expertengremium
anzuerkennen und auf dessen Erfahrungen im Umgang mit dem Wolf
zurückzugreifen. "Hier ermöglicht der Bund mit der DBBW eine große
Hilfestellung, die die Länder in ihrem eigenen Interesse in Anspruch
nehmen sollten", so Miller. Darüber hinaus müsse die
länderübergreifende Zusammenarbeit gestärkt werden, insbesondere auch
beim Herdenschutz. Der NABU fordert bereits seit langem die
Einrichtung eines Herdenschutzzentrums als wesentliche Ergänzung der
DBBW.

Deshalb setzt sich der NABU zusammen mit Weidetierhaltern und
anderen Natur- und Tierschützern für eine bessere Unterstützung von
Präventionsmaßnahmen ein (siehe Eckpunktepapier Weidetierhaltung und
Wolf vom 31.08.2017). "Auch im Jahr 17 der Wolfsrückkehr fehlt es in
Deutschland an einem nationalen Herdenschutzzentrum. Es kann nicht
sein, dass der Wolf erst in allen Flächenbundesländern anwesend sein
muss, damit sich das Landwirtschaftsministerium der Sorgen der
Nutztierhalter, insbesondere in der extensiven Weidehaltung annimmt
und klare Regelungen, Unterstützung und die Ausbildung in Sachen
Herdenschutz forciert", so Miller.

Mehr Infos:

Eckpunktepapier Weidetierhaltung und Wolf

http://ots.de/pQH9m

www.NABU.de/wolf

Pressefotos zum Wolf, Herdenschutzhunden

www.NABU.de/pressebilder_wolf



Pressekontakt:
Lucas Ende, NABU-Mitarbeiter Wolfsschutz und Naturschutz, + 49
(0)173.5357500, E-Mail: Lucas.Ende(at)NABU.de

NABU-Pressestelle
Kathrin Klinkusch | Iris Barthel | Britta Hennigs | Nicole Flöper
Tel. +49 (0)30.28 49 84-1510 | -1952 | -1722 | -1958
Fax: +49 (0)30.28 49 84-2000 | E-Mail: presse(at)NABU.de

Original-Content von: NABU, übermittelt durch news aktuell



Keywords (optional):

umwelt, naturschutz,



Unternehmensinformation / Kurzprofil:

Dies ist eine Pressemitteilung von

bereitgestellt von: ots
Pressemitteilung drucken  Pressemitteilung als PDF  Pressemitteilung an einen Freund senden  

Datum: 08.11.2017 - 14:19
Sprache: Deutsch
News-ID 1549111
Anzahl Zeichen: 5323
Kontakt-Informationen:
Firma: NABU
Stadt: Berlin


Diese Pressemitteilung wurde bisher 227 mal aufgerufen.

Verlinkung-Tipps:



Direkter Link zu dieser Pressemeldung:






Über einen Link auf Ihrer News-, Presse- oder Partner-Seite würden wir uns sehr freuen.

Kommentare zur Pressemitteilung







Firmen die pressekat.de für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
[ 0 |  1 |  2 |  3 |  4 |  5 |  6 |  7 |  8 |  9 |  A |  B |  C |  D |  E |  F |  G |  H |  I |  J |  K |  L |  M |  N |  O |  P |  Q |  R |  S |  T |  U |  V |  W |  X |  Y |  Z ]