(ots) - Die grüne Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt
hat die große Koalition aufgefordert, das umstrittene Betreuungsgeld
so bald wie möglich abzuschaffen. Grund ist eine neue Studie, die
nachweist, dass das Betreuungsgeld besonders für sozial
benachteiligte Familien einen Anreiz darstellt, kein staatliches
Angebot frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu nutzen.
"Das Betreuungsgeld ist absoluter Unsinn", sagte Göring-Eckardt dem
"Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe). "Es setzt falsche Anreize
und verhindert die frühkindliche Förderung." Sie fügte hinzu: "Knapp
ein Jahr nach der Einführung des Betreuungsgeldes zeigt sich erneut:
Die Union macht Familienpolitik ohne Sinn, ohne Verstand, nur mit
Blick auf das eigene Klientel. Die Bundesregierung muss das
Betreuungsgeld unverzüglich abschaffen und das Geld stattdessen
sinnvoll in ausreichend gute Kita-Plätze investieren. Zudem brauchen
wir eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf." Die Befragung
von über 100 000 Eltern mit Kindern unter drei Jahren durch das
Deutsche Jugendinstitut und die Universität Dortmund kommt nach
Informationen der Deutschen Presse-Agentur zu einem recht eindeutigen
Ergebnis. Darin nannten von jenen Eltern, die keine Berufsausbildung
oder nur einen Hauptschulabschluss haben, 54 Prozent das
Betreuungsgeld als Grund dafür, dass sie ihre Kleinkinder nicht in
eine Kita schicken. Bei Familien mit mittlerer Reife reduziert sich
dieser Anteil auf 14 Prozent, bei Akademikern gar auf 8 Prozent. Von
den Familien mit Migrationshintergrund, die keine Betreuung für ihr
Kleinkind wünschten, führten 25 Prozent das Betreuungsgeld als
Begründung an. Bei deutschstämmigen Familien lag dieser Anteil
lediglich bei 13 Prozent. Laut den Autoren zeigen die Befunde, dass
das Betreuungsgeld zu einer sozial ungleichen Inanspruchnahme von
frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung beiträgt. Die
Geldprämie setze gerade bei jenen Familien falsche Anreize, für deren
Kinder frühkindliche Bildungsangebote und Sprachförderung besonders
wichtig seien.
Pressekontakt:
Kölner Stadt-Anzeiger
Newsdesk
Telefon: 0221 224 3149