(ots) - Duplizität der Ereignisse: An dem Tag, an dem die
Kassen den Krankenhäusern nachweisen wollen, dass sie jede zweite
Rechnung falsch ausstellen, kommt von anderer Seite die Nachricht,
dass die Universitätskliniken mit dem Rücken zur Wand stehen. Der
zeitliche Zusammenhang mag zufällig sein, der fachliche kaum. Um es
ganz klar zu sagen: Die Zahlen der Kassen sollten mit äußerster
Vorsicht interpretiert werden. Man muss kein Arzt oder
Geschäftsführer sein, um zu sehen, was in unseren Kliniken los ist:
Medizinisches Personal am Rande der Leistungsfähigkeit, oft genug nur
noch vom - gottlob nach wie vor hohen - beruflichen Ethos motiviert.
Das Fallpauschalen-System verlagert Pflege und Nachsorge, die
Kliniken sollen hochrentable Operiermaschinen werden. Manche sind es
längst und stürzen sich bevorzugt auf besonders profitable
Geschäftsfelder. Wer diesen Weg nicht mitgehen kann, will oder - wie
eben die universitären Einrichtungen - schlicht nicht darf, bekommt
zunehmend Probleme. Probleme, mit denen hocheffiziente - für die
Patienten aber keineswegs preiswertere - Konzerne besser
zurechtkommen als Häuser in klassischer kommunaler,
öffentlich-rechtlicher oder kirchlicher Trägerschaft. Zur
Ehrenrettung der Kassen muss man sagen, dass auch sie sparsam
wirtschaften sollen. Zu diesem Zweck spitz kalkulierte
Abrechnungssysteme oder gar gleich Spezialverträge lassen sich
allerdings imZweifel einfacher mit von bestimmten Vorgaben befreiten
kühlen Konzernrechnern aushandeln als mit denjenigen, die trotz aller
Frustrationserlebnisse im modernen Medizinbetrieb immer noch an den
hippokratischen Eid glauben. Das nennt man Teufelskreis.
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Florian Giezewski
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