(ots) - Widerspruch gegen die Aufrechnung der deutschen
Einheitskosten hat der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Ulrich
Blum deutlich gemacht. In einem Interview der in Berlin erscheinenden
Tageszeitung "neues deutschland" (Freitagausgabe) kritisiert der
ehemalige Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
damit eine einseitig als Verlustgeschäft für den Westen dargestellte
Sicht auf die Sozial- und Fördertransfers. Eine solche hatte der
Soziologe und Politikwissenschaftler Klaus Schröder in einer
Schätzung im Auftrag der "Welt am Sonntag" nahegelegt. Auch der
sachsen-anhaltische Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und die
Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, hatten Widerspruch
gegen die Schätzung geäußert.
Entscheidend ist nach Ulrich Blum die Frage, was den Transfers
gegenzurechnen sei. "Steuern und Sozialabgaben werden ja auch im
Osten entrichtet." Außerdem müsse man zum Beispiel die Steuersumme
der abgewanderten Ostdeutschen gegenrechnen. Dabei komme man auf rund
30 Milliarden Euro jährlich. Anfangs war sie das nicht, doch
mittlerweile, so der Wirtschaftswissenschaftler, könne man von den
Kosten der deutschen Einheit als einem Nullsummenspiel reden. "Jetzt
kann sich keiner mehr beklagen, dass er draufzahlen müsse. Das ist
eine reine fiskalische Herumrechnerei, die wenig produktiv ist." Die
weiter hinter dem Wachstum West zurückbleibende Wirtschaft in den
Beitrittsländern bezeichnete Blum als »strukturell eine
70-Prozent-Ökonomie des Westens«. Wegen zu geringer Investitionen
verbrauche sich der hiesige Kapitalstock sogar tendenziell.
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