WAZ: Doktortitel als Massenware. Kommentar von Christopher Onkelbach
(ots) - Doktor light oder Doktor Dünnbrettbohrer - so lauten
die gängigen Vorwürfe gegen die medizinische Dissertation. Das ist
ungerecht, weil sie pauschal auch gute Arbeiten abwerten. Doch hat
die Medizin an der Langlebigkeit dieses Klischees selbst mitgewirkt.
Keine andere Promotion hat in der Wissenschaft einen ähnlich
schlechten Ruf. Sie ist meist dünner, inhaltsärmer und wird rascher
verfasst als andere Doktorarbeiten. Zudem wurde sie zur akademischen
Massenware. Ohne Titel verlassen nur wenige angehende Ärzte die Uni.
Wenn Gutachter 15 bis 20 medizinische Dissertationen pro Jahr
annehmen, liegt der Verdacht nahe, dass die Qualität zu kurz kommt.
Wie sollen da Schummeleien auffallen? Es liegt an den Fakultäten,
strengere Maßstäbe zu entwickeln, wissenschaftliches Arbeiten früh zu
vermitteln und das Vier-Augen-Prinzip bei der Bewertung der
Dissertationen einzuführen. Und warum schreiben viele Mediziner
bereits während ihres ohnehin anspruchsvollen Studiums oft auch an
ihrer Doktorarbeit? In allen anderen Fächern geschieht dies nach dem
Examen. Studenten fühlen sich in der Zwickmühle: Der Titel ist vielen
lästige Pflicht, doch wichtig für die Karriere. Ein guter Arzt aber
kann man auch ohne "Dr." werden.
Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 - 804 6519
zentralredaktion(at)waz.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.05.2014 - 19:07 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1055378
Anzahl Zeichen: 1522
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Kategorie:
Diese Pressemitteilung wurde bisher
0 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"
WAZ: Doktortitel als Massenware. Kommentar von Christopher Onkelbach"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
(
Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum
Haftungsauschluß (gemäß
TMG - TeleMedianGesetz) und dem
Datenschutz (gemäß der
DSGVO).
Die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten
Horst Seehofer (CSU) nach einem Zuzugsstopp für Muslime zielt nach
Einschätzung des früheren NRW-Integrationsminister Armin Laschet
(CDU) in die falsche Richtung. "Ein Großteil unseres
I ...
Eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wird es im
Ruhrgebiet nicht geben. Dies ergab eine flächendeckende Umfrage der
WAZ-Lokalredaktionen. Damit läuft der Schulversuch der rot-grünen
Minderheitsregierung an Rhein und Ruhr ins Leere.
An ...
Flacht die Erregungskurve einer gut ausbeutbaren
öffentlichen Debatte zu früh ab, darf man gewiss sein, dass einer
kommt und neues Öl ins Feuer gießt. Einer wie Horst Seehofer. Im
Gefolge der Sarrazin-Aufwallungen fällt es dem CSU-Vorsitzende ...