(ots) - Die Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg)
kommentiert den Inklusions-Streit an einem Walldorfer Gymnasium:
"Henri wird niemals das Abitur schaffen. Das sagen die Lehrer, das
wissen die Eltern. Allerdings: Wird er denn einen anderen Abschluss
erlangen? Sicher scheint nur, dass der Schulabschluss für den Jungen
mit Down-Syndrom in keiner Schulart ein Selbstläufer werden wird. Er
bleibt auf spezielle Förderung angewiesen. Eine Gesamtschule könnte
damit umgehen - warum dann nicht das Gymnasium, auf dem das Kind im
Kreis seiner bisherigen Freunde bleiben könnte, so die
nachvollziehbare Frage seiner Eltern. Die bisherige Antwort: Wir
können das nicht, weil es noch nie so war. Das kann man nicht
akzeptieren.
Die Herausforderungen für das Gymnasium sollten dabei nicht
unterschätzt und kleingeredet werden. Inklusion - zumal mit
"zieldifferenter" Beschulung - bedeutet eine massive Umstellung. Doch
statt grundsätzlich "Nein" zu sagen, sollte das Kollegium lieber die
Bereitschaft zeigen, sich weiterzuentwickeln, und einen
Forderungskatalog aufstellen, was an Personal- und Finanzmitteln
notwendig ist.
Nicht nur Henri könnte dann profitieren, sondern auch die
"normalen" Schüler. Ausgerechnet am Gymnasium, wo die künftige
"Elite" ausgebildet wird, die gesellschaftliche Realität
auszublenden, ist ein Riesenfehler. Der Minister muss ein Machtwort
sprechen - und gleichzeitig Unterstützung anbieten."
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