(ots) - FDP-Chef Lindner wusste, dass er sich mit dem
Parteivorsitz auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen hat. Wenige
Wochen vor der Kommunal-und Europawahl stellt die FDP nun in den
Umfragen fest, dass die liberale Wunderwaffe nicht zündet. In der
glücklosen Ära Rösler haben die Liberalen massiv Vertrauen eingebüßt:
Das kann die Ein-Mann-Spitze Lindner nicht über Nacht zurückgewinnen.
Während den Grünen die holprige Energiewende im Bund politisch in
die Hände spielt, gelingt es den Liberalen bisher nicht, aus der
Provinz heraus als Apo in Berlin zu punkten. Lindner verjüngt die
Parteigremien, öffnet die FDP für sozialliberale Ideen - das Problem:
Als Funktionspartei werden Liberale nicht gebraucht.
Lange gehörte die FDP zum festen Inventar der Bundespolitik. Heute
fehlen die großen Namen, das liberale Profil als Steuersenker reicht
nicht, die Bühne im Bundestag fehlt, um alternative Ideen zur
Energiewende an die Wähler zu bringen.
Selbst bei der Europawahl droht der Europapartei FDP nach
aktuellen Umfragen ein Debakel. Auch heute wird die Stimme einer
Partei gebraucht, die für bezahlbare Energiekosten der Industrie und
stabile Sozialkassen kämpft. Als Reformpartei hat die FDP aber
derzeit kaum Gewicht.
Lindner bleibt nicht viel Zeit, um das liberale Profil zu
schärfen. Die folgenlose Mäkelei in Talkshows reicht nicht. Die
Landtagswahl 2017 in NRW wird zur Überlebenswahl. Derzeit bleibt
nebulös, wie die FDP die Rückkehr in den Bundestag packen will.
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