(ots) - Bundespräsidenten haben politisch nichts zu sagen,
so steht es, wenn auch vornehmer formuliert, im Grundgesetz. Sagen
sie aber während ihrer Dienstzeit nicht Bedeutungsvolles,
Richtungweisendes, kurzum Wichtiges, bleiben sie den Bürgern
allerhöchstens als Grußaugust der Nation im Gedächtnis, der für teuer
Geld in der Weltgeschichte herumfährt. Joachim Gauck hat ein bisschen
gebraucht, präzise gesagt knapp zwei Jahre, doch dann hatte er es
geschafft, als er Anfang des Jahres vor fachkundigem Publikum
Deutschlands Eintritt in die Riege international Verantwortung
übernehmender Nationen einforderte. Es war die Begründung, die aus
Gaucks Rede eine große gemacht hat: "Aus der historischen Schuld darf
nicht länger ein Recht auf Wegsehen abgeleitet werden." Nicht dass
die Kanzlerin solch moralische Legitimierung aus dem Mund des
höchsten Repräsentanten dieser Republik brauchen würde. Doch aus
ihrem Mund wäre es eben Teil der Tagespolitik geblieben, gesagt von
jemandem, der genau diese Tagespolitik bestimmt. Jede Kritik gegen
künftiges, auch robustes Einmischen der Deutschen muss sich an Gaucks
Rede messen lassen, und das dürfte sehr schwer fallen. Doch auch ohne
seine große Rede tut uns Joachim Gauck gut, das merken wir nach den
zwei Jahren. Denn er lebt Unaufgeregtheit vor, ohne es an Engagement
fehlen zu lassen, er ist die integre Persönlichkeit, die wir dringend
brauchten, nachdem seine beiden Vorgänger mit dem Amt nicht
zurechtkamen und es deshalb beschädigten. Danach konnte Angela Merkel
an Joachim Gauck nicht mehr vorbei. Heute dürfte sie froh darüber
sein - und wir mit ihr.
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