(ots) - Machen wir doch mal unsere ganz private Zeitleiste
für die Altersvorsorge auf: Erst bekamen wir mit viel Steuergeld
erzählt, die Rente sei sicher. Dann war sie es auf einmal doch nicht
mehr, also bekamen wir erzählt, wir müssten selbst etwas für die
Rente tun. Das taten wir, aber ein paar Jahre später waren die
Produkte, die wir gekauft hatten, immer weniger wert, weil die
Politiker, die uns gerade erst in den Erwerb dieser Produkte
getrieben hatten, durch die angeblich unabsehbare
Euro-Schulden-Bankenkrise jedweden Zinsertrag fast pulverisierten.
Und jetzt der neueste, vorerst nur versuchte Rollgriff: Versicherte
sollen auch noch weniger ausgezahlt bekommen. Sprich: Jetzt wird die
private Altersvorsorge nicht nur durch die Unwägbarkeiten des
Finanzmarktes, sondern geplant durch den Gesetzgeber unter Beschuss
genommen. Der Gipfel des Zynismus ist, dass die Regierung, die soeben
vor allem Jüngere mit ihren eigenen Rentenbeschlüssen massiv belastet
hat, den Rollgriff auch noch als "generationengerecht" zu verkaufen
versucht. Man nennt das Enteignung oder - weniger scharf formuliert -
einen Eingriff in privatrechtliche Verträge. Und genau deswegen darf
und wird der Schäuble-Vorstoß so nicht Realität werden. Trotzdem
müssen sich allmählich auch die Finanzkonzerne, die den Druck auf die
Politik ausüben, Folgendes fragen lassen: Wo ist das ganze Geld
geblieben, das man bis vor wenigen Jahren noch relativ risikolos mit
Lebensversicherungen verdienen konnte? Wenn man sich manches
Bürogebäude, manches Provisionsmodell und manchen Dividendensprung
anschaut, bekommt man eine ungefähre Ahnung wo. Sie tröstet ebenso
wenig wie die zunehmende Gewissheit, dass die Rente tatsächlich
sicher ist. Nur ihre Höhe immer weniger.
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Florian Giezewski
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