(ots) - Der scheidende Vorsitzende Deutschen
Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat den Missbrauchsskandal als
Tiefpunkt seiner sechsjährigen Amtszeit dargestellt, zugleich aber
den Erfolg der Aufarbeitung unter seiner Führung herausgestrichen. Im
Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe) sprach der
Freiburger Erzbischof von einem "tiefen Abgrund, in den wir
hineinschauen mussten". In einer der größten Krisen der katholischen
Kirche sei es notwendig gewesen, "rasch handlungsfähig zu werden und
aus der Schockstarre herauszukommen". Darum habe er einen
bundesweiten Dialogprozess auf allen kirchlichen Ebenen initiiert.
Unmittelbar vor der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
in Münster, wo am Mittwoch Zollitschs Nachfolger gewählt wird,
schloss Zollitsch eine Teilnahme des umstrittenen, vom Papst mit
einer Auszeit belegten Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van
Elst nicht aus. "Offiziell wäre ihm die Teilnahme möglich. Es ist
seine Entscheidung und seine Verantwortung", so Zollitsch. Angemeldet
habe sich Tebartz allerdings bislang nicht, betonte er. In der Affäre
um Tebartz-van Elst und die Finanzierung seiner extravaganten
Residenz lobte Zollitsch vor der erwarteten Entscheidung des Papstes
über Tebartz' Zukunft demonstrativ den Limburger Generalvikar
Wolfgang Rösch, der derzeit die Amtsgeschäfte führt. Zollitsch sprach
von einer "wesentlichen Beruhigung" durch Röschs "umsichtiges
Handeln". Der Vorsitzende der Bischofskonferenz wies Kritik aus dem
Vatikan an der Veröffentlichung der Umfrage-Ergebnisse zum Thema
Familie und Sexualmoral zurück. "Transparenz tut uns gut." Im Übrigen
seien andere Bischofskonferenzen genauso vorgegangen, nachdem Papst
Franziskus die Katholiken weltweit nach ihrer Haltung zur Morallehre
der katholischen Kirche gefragt hatte. Aus Altersgründen kann der
2008 gewählte 75 Jahre alte Zollitsch nicht zur Wiederwahl als
Vorsitzender antreten. In seinem Erzbistum amtiert er nach bereits
erfolgtem Rücktritt auf Bitte des Papstes noch kommissarisch, bis
auch hier ein Nachfolger gewählt ist.
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