(ots) - Hygienemängel in nordrhein-westfälischen Kliniken
alarmieren die Bundesregierung. Der Patientenbeauftragte Karl-Josef
Laumann (CDU) ruft die NRW-Landesregierung zum Handeln auf. Die
zuständige Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) müsse
"dafür sorgen, dass das Infektionsschutzgesetz eingehalten wird",
sagt Laumann in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen
Zeitung (WAZ, Mittwochsausgabe). "Es kann ja nicht sein, dass die
Küche eines Landgasthauses in Nordrhein-Westfalen offenbar schärfer
kontrolliert wird als die Hygiene in den Krankenhäusern." Im Rahmen
einer landesweiten Recherche hatte die WAZ 48 Kliniken mit insgesamt
rund 1,75 Millionen Patienten pro Jahr mit konkreten Hinweisen auf
Hygienemängel konfrontiert. Einige Krankenhäuser hatten daraufhin
Missstände eingeräumt. Mehr als 300 Hinweise von Patienten,
Angehörigen und medizinischem Personal liegen der Zeitung vor. Im
eBook "Keimzelle Krankenhaus" berichtet die WAZ von dramatischen
Patientenschicksalen und Todesfällen nach Infektionen mit
multiresistenten Killerkeimen wie MRSA und VRE. Für den
Patientenbeauftragten des Bundes ist dies ein "ein unhaltbarer
Zustand". Hygiene im Krankenhaus sei "oberstes Gebot", sagte Laumann
der WAZ. Der Bundestag habe das Infektionsschutzgesetz 2011 nicht
umsonst verschärft. Auch Nordrhein-Westfalen müsse es umsetzen.
NRW-Gesundheitsministerin Steffens hatte jüngst Bundesgesetze zur
Keimvermeidung gefordert, etwa gegen den Einsatz von Antibiotika in
der Tiermast. Laumann sieht darin ein Ablenkungsmanöver. Steffens
solle "nicht auf andere zeigen, sondern sich selber an die Nase
packen". Die Krankenhausaufsicht in NRW habe sie, und nicht der Bund.
Hygiene-Kontrollen mit vorheriger Anmeldung in den Kliniken, wie sie
im Lande üblich sind, hält Laumann für "nicht effektiv". "Eine mutige
Ministerin" lasse unangekündigt prüfen. Das
Bundesgesundheitsministerium werde sich "genau anschauen", was NRW
künftig für bessere Hygiene im Lande tue. Im Kampf gegen Keime werde
er Steffens notfalls "zum Jagen tragen", sagte Laumann der WAZ.
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