(ots) - In der EU-Studie zur sexuellen Gewalt spiegelt sich
der gelebte Herrenwitz wider. Die Zahlen zeigen, wie wenig
Gleichbehandlungsvorsätze bislang bewirkt haben. Für Joanna Goodey,
die Initiatorin der Untersuchung, ist dies nicht verwunderlich. Denn
der Kern des Problems werde viel zu selten thematisiert: dass nämlich
Frauen wie eine Minderheit behandelt werden. Auf dem Arbeitsmarkt
sind Frauen seit jeher ausgegrenzt. Noch immer sind Männer ungleich
häufiger als Frauen in Vollzeit beschäftigt und weitaus weniger
Frauen können von ihrer Arbeit leben. Noch immer trifft vor allem
Frauen die Doppelbelastung von Familie und Arbeit. Tausendfach
stecken sie zurück und verzichten auf ihr berufliches Vorankommen,
arbeiten Teilzeit oder bleiben im Minijob hängen. Selbst Frauen, die
es geschafft haben, klagen über mangelnde Akzeptanz. Doris Dörrie
etwa dreht seit 35 Jahren Filme, wurde vielfach ausgezeichnet und
beschwert sich noch immer, als Frau im Kulturbetrieb nicht ernst
genommen zu werden. Was fehlt, ist mehr Respekt zwischen den
Geschlechtern. Und mehr Gelassenheit. Wie weit die Politik davon
entfernt ist, zeigt der mutige Vorstoß von Manuela Schwesig (SPD),
die kurz nach ihrem Amtsantritt als Familienministerin vorschlug, für
junge Familien eine 32-Stunden-Woche als Vollzeitarbeit anzurechnen,
um ihnen mehr Zeit für Kinder einzuräumen. Schwesig wurde
abgewatscht. Ihr Vorschlag sei utopisch, hieß es - weil unbezahlbar.
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