(ots) - Aus dem nordrhein-westfälischen
Wissenschaftsministerium heraus wird nicht nur ein seltsames, sondern
ein schmutziges Spiel gespielt. Uni-Rektoren sprechen von
Schlammschlacht. Das Durchstechen der Rektoren-Gehälter ist eine
echte Intrige. Deren Ziel: Das neue Hochschulgesetz durchzudrücken,
mit dem die NRW-Unis aus ihrer Freiheit wieder an die Kette des
Ministeriums und seiner augenscheinlich machtgierigen Bürokraten
gelegt werden sollen.
Mit höheren Gehältern lässt sich vortrefflich Sozialneid schüren.
Motto: Die Reichen da oben, wir Armen da unten. Es ist ein billiger,
aber oft genug wirksamer (und bisweilen, bei unbilliger Bereicherung,
auch angebrachter) Reflex. Nur: Weder haben die Rektoren sich ihre
Gehälter selbst erhöht, noch waren es die Hochschulräte. Und schon
gar nicht wollen die Rektoren das Hochschulgesetz aus Angst
verhindern, dann wieder weniger zu verdienen.
Das derzeitige Besoldungssystem für Rektoren geht nicht etwa auf
die nordrhein-westfälische CDU/FDP-Regierung zurück, der man
womöglich am ehesten zugetraut hätte, die Gehälter der Unichefs zu
erhöhen, sondern auf die rot-grüne Schröder-Regierung. Die wollte
nicht, dass die Anzahl der grauen Haare für die Höhe der
Rektoren-Gehälter verantwortlich war, sondern die Leistung. Also
entschied sie, dass es neben dem Grundgehalt eine Funktionszulage
(für das Rektor-sein) und eine Leistungskomponente (für Erfolgreiche)
geben sollte. Der aktuelle Aachener Rektor beispielsweise verdiente
schon in Erlangen, wo er vorher lehrte, 150 000 Euro. Aachen
wollte ihn unbedingt haben und musste folglich mindestens dasselbe
Gehalt zahlen.
Auch eine Uni, die einen Professor aus, sagen wir: Stanford,
abwerben will oder aus der Industrie, muss dafür tiefer in die Tasche
greifen. Und das geht auch in Ordnung so. An diesem Umstand würde das
von Ministerin Schulze geplante Hochschulgesetz rein gar nichts
ändern. In der Vergangenheit hat das Wissenschaftsministerium sogar
selbst schon diese Zulagen mit Rektoren verhandelt, auch bei
Ruhrgebietsunis.
Den Rektoren nun weiter zu unterstellen, sie würden um ihr Gehalt
mauscheln, geht ebenfalls daneben. Wer transparente Gehälter will,
muss das ins Gesetz schreiben. Es steht aber heute nicht drin. Also
ist die Veröffentlichung der Gehälter ein Gesetzesverstoß. Deshalb
wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, wenn auch nicht von der
Ministerin, obwohl diese doch im eigenen Interesse das Leck in ihrem
Haus aufklären müsste.
Im Wettbewerb um die weltweit klügsten Köpfe schneidet Deutschland
ohnehin schlecht ab, wie ein Gutachten an die Bundeskanzlerin belegt.
Zwischen 1996 und 2011 wanderten 4000 Spitzenforscher mehr aus
Deutschland ab, als ins Land kamen, berichtet heute der Spiegel. Wir
hätten es also nötig, mehr zu tun für die Wissenschaftler.
Stattdessen Intrigen.
Wer gerade ein Wissenschaftsministerium für eine besonders
würdevolle, ausschließlich Forschung und Wissenschaft verpflichtete,
vor allem aber ideologieferne Zone hielt, weiß es nun besser. Wie
will die Wissenschaftsministerin eigentlich noch die Wissenschaft
nach vorne bringen?
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