(ots) - Der Münsteraner Soziologe Detlef Pollack, einer der
führenden Experten für Fragen religiösen Lebens in modernen
Gesellschaften, warnt die katholische Kirche davor, die Antworten
auf einen in alle Welt versandten Fragebogen des Papstes zur
Sexualmoral überzubewerten. "Wenn die Kirche sich davon abhängig
macht, was Mehrheitsmeinung ist, gibt sie Theologie und Offenbarung
als eigene Erkenntnisquelle preis", sagte Pollack dem "Kölner
Stadt-Anzeiger" (Mittwoch-Ausgabe). Zugleich begrüßte Pollack das
Bemühen, die Einstellung der Katholiken zu Ehe und Familie zu
erheben. Letztlich müsse die Neuausrichtung kirchlichen Handelns
aber "aus theologischen Überlegungen kommen".
Die deutschen Bischöfe veröffentlichten am Montag eine
Zusammenfassung aller Voten aus den 27 Bistümern sowie von 20
Institutionen und Verbänden. Zentraler Befund: Die Katholiken in
Deutschland empfinden die Lehren ihrer Kirche als weltfremd und
lebensfern. Mit Blick auf Homosexuelle sprechen sie von
Diskriminierung. Das Kondomverbot betrachten sie gar als unmoralisch.
Die Bischöfe folgern, Neuansätze in Lehre und Seelsorge seien
"unabdingbar". Ihr Papier dient zur Vorbereitung eines
Bischofstreffens in Rom.
Als positiv hob Pollack den Ansatz des Papstes hervor, kirchliches
Handeln auf empirische Grundlagen zu stützen. "Aber die Methode einer
Umfrage unter Funktionären kann keine repräsentativen Ergebnisse
liefern, zumal dann nicht, wenn sie - wie in Deutschland - stark
onlinegestützt arbeitet", warnte der Forscher vom Exzellenz-Cluster
"Religion und Politik" an der Uni Münster. "Der Widerspruch zwischen
Lehre und Leben ist in der katholischen Kirche ja mit Händen zu
greifen. Aber aus dieser Diagnose folgt keineswegs, dass die Kirche
ihre Vorgaben an das Verhalten der Menschen anpassen müsste", so
Pollack.
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