(ots) - Lamya Kaddor beklagt Wahrheitsanspruch der Religionen
als "Geißel der Menschheit"
Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor hat dem Kölner Erzbischof,
Kardinal Joachim Meisner vorgeworfen, er bediene
Abgrenzungsmechanismen. Damit müsse endlich Schluss sein, fordert die
Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes (LIB) im "Kölner
Stadt-Anzeiger" (Mittwoch-Ausgabe). Meisner hatte vor konservativen
Katholiken gesagt, "eine Familie von euch ersetzt mir drei
muslimische Familien". Kaddor führte dieses Denken auf den absoluten
Wahrheitsanspruch der Religionen zurück, den sie "eine Geißel der
Menschheit und ein Grundübel der Moderne" nannte. "Gerade jetzt, in
Zeiten der kurzen Kommunikationswege, auf denen die Menschen über
Facebook, Twitter und Co. schnell beieinander sind, versprüht
religiöser Wahrheitsanspruch nur Gift." Expansive Bestrebungen der
Religionen seien überflüssig geworden. "Man muss Religion nicht mehr
zu den Menschen tragen - schon gar nicht mit dem Schwert, aber auch
nicht mit Büchern in der Hand." Für ein friedfertiges und tolerantes
Miteinander "müssen wir den Wahrheitsanspruch relativieren. Und
relativieren heißt: Für einen selbst kann eine Religion absolut die
Richtige sein, aber deswegen ist sie das noch lange nicht für den
Nachbarn." Eine besondere Funktion komme dabei "Vorbildern und
Leitfiguren" zu - "seien sie Kardinal oder Imam".
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