(ots) - Die nationale Rumgeopfer-Karawane muss
weiterziehen. Gut 200 Kilometer Luftlinie sind es von Dresden bis
nach Magdeburg. Vom Stalingrad der Nazi-Trauerei bis zur derzeit
letzten rechten Hoffnung, wenigstens einmal pro Jahr einen größeren
Umzug abhalten zu können, um die deutschen Täter in unschuldige Opfer
alliierter Bombardierungen umzudeklarieren. Vier Jahre in Folge
standen und saßen in Sachsens Landeshauptstadt die Blockaden
tausender AntifaschistInnen den Nazis im Weg, trotzten Kälte,
Polizeigewalt und der staatlichen Repression, die bis heute Existenz
und Freiheit etwa des Jenaer Jugendpfarrers Lothar König und des
Berliner Antifaschisten Tim H. bedroht. Ein nicht geringerer Erfolg
des Blockadebündnisses »Dresden nazifrei!« ist die Intervention in
den Geschichtsdiskurs der Stadt: Der Mythos der »unschuldigen
Kulturstadt« scheint auch in Elbflorenz gebrochen. Dresden ist eine
antifaschistische Erfolgsgeschichte mit Ausstrahlung. Das Konzept des
Zivilen Ungehorsams, der massenhaften Blockaden kommt seit Jahren in
vielen Städten zum Einsatz. Auch in Magdeburg, wo am 18. Januar die
Nazis zwar nicht gänzlich gestoppt, aber doch behindert wurden. Dass
auch dort die Blockaden erfolgreich sind, scheint eher eine Frage des
Wann, nicht des Ob. Als Ausweichveranstaltung für Dresden jedenfalls
wird sich Magdeburg nicht etablieren. Nach einem Stalingrad geht's
nicht mehr aufwärts.
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