(ots) - Arbeitsminister tun was für Arbeiter, etwa mit
Mindestlöhnen. Soldatenminister pflegen die Soldaten, Motto: Kita für
die Krieger. Rentenminister arbeiten für Rentner, jüngst zum Beispiel
Mütter. Und so weiter. Weil Minister zwar nicht immer, aber doch oft
genug zugunsten jener arbeiten, für die sie zuständig sind,
verwundert umso mehr, weshalb das in Nordrhein-Westfalen gerade nicht
so ist. Noch nie hat es jemand in so überschaubarer Zeit fertig
gebracht, seine Schutzbefohlenen derart gegen sich aufzubringen wie
die Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Derzeit tun die
Wissenschaftler sogar, was ihnen eigentlich wesensfremd ist: Sie
gehen auf die Barrikaden.
Heute melden sich die Hochschulrektoren zu Wort. Freundlichkeiten
Richtung Ministerin sind nicht zu erwarten. Die ehrwürdige Akademie
der Wissenschaften und Künste sieht das Vertrauen zwischen
Universitäten und dem Land gar als zerstört an. Obendrein läuft die
Wirtschaft gegen das neue Hochschulgesetz Sturm, selten waren sich
Mittelstand und Industrie derart einig. Wie konnte das passieren? Die
Regierung Rüttgers hatte den Hochschulen die Freiheit gegeben, selbst
über ihr Geld, ihre Forschung und ihre Lehre zu bestimmen.
Und die Unis, gerade im Ruhrgebiet, haben ihre neuen Spielräume
genutzt: Sie sind sowohl in der Forschung als auch in der Lehre
besser geworden. Zuletzt haben sie den Studentenansturm des doppelten
Abi-Jahrgangs geräuschlos bewältigt. Dass sie, quasi zum Dank dafür,
ihre Freiheiten, jedenfalls zum Teil, wieder verlieren sollen,
empfinden sie als zynisch. Sie verstehen zwar, dass eine linke
Regierung links regieren will, wollen aber nicht, das links
gleichbedeutend ist mit: schlecht.
Früher war eine Uni eine elitäre Insel. Sie hatte außerhalb des
Campus nicht viele Freunde. Das ist heute anders, aus zwei Gründen.
War früher die Beziehung zwischen Hochschule und Wirtschaft von
Misstrauen geprägt, so ist es heute Zuneigung. Und die Schaffung von
so kunterbunt wie kompetent zusammengesetzten Aufsichtsräten für die
Unis hat dazu geführt, dass sich heute viel mehr Menschen für "ihre"
Hochschule engagieren als früher. Das alles hat die
Wissenschaftsministerin wohl unterschätzt.
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