(ots) - Die Personalie Ursula von der Leyen kam für
viele Beobachter überraschend. Jetzt hat also eine Frau bei der
Bundeswehr das Sagen -und sie ist kein bisschen leise. Was sie
verspricht, dürfte der arg gebeutelten Truppe verheißungsvoll in den
Ohren klingen, denn die Ministerin macht sich für ihre Soldaten
stark.
Die ehrgeizige Niedersächsin hat keine leichte Aufgabe vor sich.
Die Reform der Bundeswehr, von Karl-Theodor zu Guttenberg mit lauter
Begleitmusik angestoßen und von Thomas de Maizière mit preußischem
Fleiß (etwas) vorangebracht, hat nur wenig Rücksicht auf die privaten
Befindlichkeiten der Männer und Frauen in Uniform genommen -und ist
noch lange nicht auf der Zielgeraden. Angesichts von Personalabbau,
Standortschließungen und tiefgreifenden Umstrukturierungen bedeutet
die Reform für 185 000 Zeit- und Berufssoldaten auch, dass viele von
ihnen alle paar Jahre umziehen müssen. Die Probleme berufstätiger
Partner und von Kindern, die immer wieder aus ihrem sozialen Umfeld
gerissen werden und deren Schullaufbahn leidet, belasten die Familien
der Soldaten. Ursula von der Leyens Frage, ob »dies für die große
Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten immer sinnvoll ist«, ist
überfällig.
Als großer Arbeitgeber steht die Bundeswehr außerdem in direkter
Konkurrenz zu Wirtschaftsunternehmen. Privatfirmen wissen, dass auch
»weiche Faktoren« die Entscheidung für eine Laufbahn mitbestimmen.
Der Soldatenberuf aber ist ein ganz besonderer, verlangt körperliche
wie geistige Fitness, die Fähigkeit, bereits in jungen Jahren
Menschen zu führen und die Bereitschaft, das eigene Leben und das der
Mitarbeiter in die Waagschale zu werfen, wenn es darum geht, die
Interessen Deutschlands und seiner Bündnispartner rund um den Globus
zu wahren. Qualifiziertes Personal ist dafür unabdingbar. Um diese
Menschen zu locken und zu halten, muss der Staat als Arbeitgeber ein
entsprechendes Umfeld schaffen. Dazu gehört auch, Vätern und Müttern
die Möglichkeit zu geben, am Leben ihrer Kinder teilzuhaben.
Die Linkspartei im Bundestag höhnt bereits, dass es keine
Teilzeitkriege und keine familienfreundlichen Militäreinsätze gebe,
aber von 185 000 Soldaten sind nur 4800 im Ausland im Einsatz. Mit
diesem Argument würde nur jemand den Soldaten bessere
Arbeitsbedingungen verweigern, der die Bundeswehr sowieso abschaffen
will.
Auch in einem anderen Punkt sind von der Leyens Vorschläge
durchaus geeignet, die Truppe voranzubringen: 18 000 Frauen tragen
bislang Uniform, angestrebt ist ein Frauenanteil von wenigstens 15
Prozent. Allerdings muss die neue Verteidigungsministerin aufpassen,
dass man ihr nicht vorwirft, bloß Familienpolitik mit anderen Mitteln
zu machen. Nach einer angemessenen Einarbeitungszeit sollte sie sich
auch mit Rüstungsprogrammen, Waffensystemen und Strukturen der
Streitkräfte auskennen, damit sie nicht unversehens in eine neue
»Drohnenaffäre« stolpert.
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