(ots) - Es war ein kurzer Augenblick der Aufmüpfigkeit.
Ilse Aigner, Wirtschaftsministerin in Bayern, trotzte ihrem Chef, dem
Ministerpräsidenten Horst Seehofer, gerade einmal einen Tag lang.
Dann gab sie klein bei. Gleichwohl verdient der Vorgang Beachtung.
Zum einen ließ die von Seehofer von Berlin nach München beorderte
CSU-Politikerin durchaus aufblitzen, dass sie sich nicht als
Untertanin des großen Vorsitzenden versteht. Aigner ist ein
unabhängiger Geist, auch wenn sie dieses Mal noch nicht ihr junges
Ministeramt riskieren mochte, um Seehofer Paroli zu bieten. Zum
anderen bleibt Aigners Vorstoß zum Thema Energiewende in der Welt,
auch wenn ihn das bayerische Hofkabinett auf Geheiß von König
Horst eilfertig entsorgt hat. Im Kern ging und geht es Ilse Aigner
darum, die Kosten für die Energiewende anders zu verteilen als
bisher. Weil von dem Systemwechsel hin zu erneuerbaren Energien
Millionen von Menschen auch noch in fernerer Zukunft profitieren
werden, soll auch ein Teil der Kosten in die Zukunft verlagert und
von den Nutznießern von morgen getragen werden. Dafür könnte man die
Lasten für die Verbraucher von heute abmildern. Soweit Aigners
Gedanke. Er verdient zumindest eine sorgfältige Prüfung. Dabei wird
dann allerdings auch zu berücksichtigen sein, welche Hypotheken
unser Gemeinwesen schon heute nachfolgenden Generationen aufbürdet.
Um diesen Abwägungsprozess wird die Politik nicht herumkommen, ob es
Seehofer passt oder nicht.
Pressekontakt:
Badische Zeitung
Schlussredaktion Badische Zeitung
Telefon: 0761/496-0
redaktion(at)badische-zeitung.de