(ots) - Wie haben sich doch hiesige Regierungspolitiker auf
dem Höhepunkt der Eurokrise das Maul über den Klientelismus in
Griechenland zerrissen. Unter anderem darüber, dass die
Staatsbetriebe dort als Versorgungsanstalt für verdiente Politiker
galten. Ein wesentlicher Grund, weshalb viele öffentliche Unternehmen
ineffizient arbeiteten und Löcher in die Staatskasse rissen. Ein
bisschen erinnert der geplante Wechsel Ronald Pofallas zur Deutschen
Bahn an solche Zustände. Besondere Kenntnisse der Verkehrspolitik
kann der CDU-Politiker in seinem Bewerbungsschreiben nicht aufgeführt
haben. Ein solches war auch gar nicht nötig - die guten persönlichen
Beziehungen zu Bahnchef Rüdiger Grube aus seligen
Kanzleramtschef-Zeiten dürften ausgereicht haben. Erhält Pofalla nun
die Belohnung dafür, dass er als rechte Hand Angela Merkels der Bahn
einen guten Draht zur Kanzlerin vermittelt hat? Das allein ist es
natürlich nicht. Nach den Regeln des Klientelismus wäscht eine Hand
die andere: Der Bahnchef setzt darauf, wichtige Entscheidungen
künftig besser beeinflussen zu können. Man kann es ihm nicht
verdenken, denn die Verkehrspolitik benachteiligt seit Langem
strukturell die Schiene und fördert den Flug- sowie den Autoverkehr.
Und die im Koalitionsvertrag angedeuteten höheren Investitionen sind
kein Selbstläufer. Nur sind dies Fragen, die politisch entschieden
werden müssen. Nicht mit Hilfe eines griechischen Verhältnisses.
Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion
Telefon: 030/2978-1715