(ots) - Da hat wohl eine Indiskretion eine Inszenierung
zerstört. Dass Ronald Pofalla, der ehemalige Kanzleramtsminister, in
die Wirtschaft strebt und nicht, wie er bei seinem Abgang treuherzig
versicherte, eine Familie gründen will, das galt in Berlin schon
lange als ausgemacht. Aber der unmittelbare Umzug von der politischen
Machtzentrale in die der Bahn AG in Sichtweite seines alten
Arbeitsplatzes verbot sich nach dem unsensiblen Seitenwechsel seines
Kollegen Eckart von Klaeden vom Kanzleramt in die Daimler-Zentrale.
Die Ankündigung einer "Abkühlphase" (Pofalla) sollte den Umsteiger
wohl aus der Kritik nehmen. Das ging nun schief. Nicht nur deshalb
muss man die Karrierepläne des CDU-Politikers skeptisch betrachten.
Sicher, die Bahn ist ein Unternehmen im Staatsbesitz. Dem
Hauptaktionär Bund muss es erlaubt sein, Leute seines Vertrauens in
den Vorstand zu berufen. Und politische Berufungen haben gerade bei
der Bahn eine lange Tradition. Aber Pofalla ist in der Politik
nicht als Verkehrsexperte aufgefallen. Andererseits liefen über
seinen Schreibtisch alle wichtigen Vorlagen der schwarz-gelben
Koalition. Und in Bahnkreisen galt Pofalla als besonders verlässlich,
wenn es darum ging, politisches Unheil vom Verkehrsriesen
fernzuhalten. Jetzt soll er dort der Cheflobbyist werden und mit
seinen guten Kontakten genau dies auch auf europäischer Ebene
erreichen. Das riecht nach Dankeschön und etwas viel Identität der
Interessen von Bahn und deutscher Bahnpolitik.
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