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Badische Neueste Nachrichten: Auf dem Siedepunkt

ID: 811586

(ots) - Zwei Jahre nach dem Umsturz in Tunesien droht
das Land, in dem die Europäer früher so gerne Urlaub machten, wieder
ins Chaos abzugleiten. Das Mordattentat auf den prominenten
Oppositionspolitiker Chokri Belaid hat die tiefe politische Spaltung
des Volkes offenbart. Und das Land in eine Krise gestürzt, in der
eine weitere Eskalation der Gewalt bis hin zu bürgerkriegsähnlichen
Unruhen nicht mehr ausgeschlossen werden können. Die regierende
Islamistenpartei Ennahda ist mit ihrem Versprechen gescheitert, für
eine moderate und tolerante Gesellschaft einzutreten. Eine mutige
Balance zwischen Islam und Moderne zu ermöglich. Mit diesem
politischen Experiment die Tunesier in eine bessere Zukunft zu
führen. Die Spannungen zwischen der religiösen Partei, ihren
radikalen Milizen, und der säkularen Opposition sind auf dem
Siedepunkt. Und die soziale Lage im Land hat sich verschlimmert.
Tunesien galt eigentlich als Musterland des arabischen Frühlings.
Hier begann die arabische Revolution, welche die Diktatoren erst in
Tunis, dann in Kairo und schließlich in Tripolis hinwegfegte. Und
hier wuchs die Hoffnung, dass die radikalen Islamisten im Zaum
gehalten werden können sowie eine gesellschaftliche Versöhnung
möglich sei. Diese Hoffnung scheint sich leider nicht zu erfüllen.
Attacken religiöser Eiferer gegen "ungläubige" politische Gegner
gehören inzwischen in Tunesien zur Tagesordnung. Angriffe auf Kunst-
und Kulturstätten, wo die Fundamentalisten eine Beleidigung
islamischer Werte wittern, ebenfalls. Geduldet, wenn nicht sogar
gefördert, von der regierenden Islamistenpartei, in der sich die
Prediger von Hass und Gewalt durchzusetzen scheinen. Damit drohen die
Träume von Demokratie und Freiheit nun auch in Tunesien zu platzen.
Hier wie in den Nachbarländern Ägypten und Libyen dürfte es zur
entscheidende Frage werden, ob und wie die immer dominanter




auftretenden religiösen Extremisten unter Kontrolle gebracht werden
können. Jene Kräfte, die die frühere Diktatur durch einen
intoleranten Scharia-Gottesstaat ersetzen wollen. Auch Europa wird
dies zu spüren bekommen.



Pressekontakt:
Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
redaktion.leitung(at)bnn.de


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Datum: 07.02.2013 - 23:01 Uhr
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