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Reporter ohne Grenzen: Moskau muss ukrainischen Journalisten sofort freilassen

ID: 1408045

(ots) - Reporter ohne Grenzen fordert die russischen
Behörden auf, den Frankreich-Korrespondenten der ukrainischen
Nachrichtenagentur Ukrinform, Roman Suschtschenko, unverzüglich
freizulassen. Suschtschenko war am Freitag festgenommen worden, ohne
dass die russischen Behörden Verwandte oder Anwälte informierten. Ein
Gericht verurteilte ihn im Schnellverfahren wegen angeblicher
Spionage zu zwei Monaten Untersuchungshaft im Moskauer
Lefortowo-Gefängnis. Der Journalist durfte bisher nicht mit seinem
Anwalt sprechen.

"Wir sind schockiert über die Festnahme Roman Suschtschenkos, von
der selbst dessen Ehefrau erst erfuhr, als Menschenrechtler zwei Tage
später zufällig im Gefängnis auf den Journalisten stießen", sagte
ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. "Das Vorgehen gegen
Suschtschenko verletzt internationale Regeln aufs Gröbste. Schon bei
den Gründen für die Festnahme widersprechen sich die russischen
Behörden, da wird eine fehlende Akkreditierung ebenso angeführt wie
der absurde Vorwurf der Spionage. Wir fordern die sofortige und
bedingungslose Freilassung des Journalisten."

Roman Suschtschenko, Frankreich-Korrespondent der ukrainischen
Nachrichtenagentur Ukrinform, war am 30. September privat nach
Russland gereist, um Verwandte zu besuchen. Er wurde kurz nach seiner
Ankunft in Moskau festgenommen und durfte darüber weder seine Ehefrau
noch einen Anwalt oder seinen Arbeitgeber informieren. Aktivisten der
russischen Menschenrechtsgruppe Open Russia berichteten zwei Tage
später über Suschtschenkos Festnahme, nachdem sie bei einem Besuch im
Moskauer Untersuchungsgefängnis Lefortowo zufällig auf den
Journalisten gestoßen waren (http://t1p.de/swiw).

Der russische Geheimdienst FSB beschuldigt den 47-jährigen
Suschtschenko der Spionage und behauptet, er sei ein ranghoher




Offizier des ukrainischen Geheimdienstes. Das
Verteidigungsministerium in Kiew dementierte dies. Suschtschenko, so
der FSB, habe "zielgerichtet Informationen über die Streitkräfte und
die Nationalgarde gesammelt, die als Staatsgeheimnisse eingestuft
sind und deren Verbreitung im Ausland die Verteidigungsfähigkeit des
Landes gefährden." (http://t1p.de/mwis). Ein Gericht in Lefortowo
verurteilte den Journalisten am Sonnabend deshalb im Schnellverfahren
zu zwei Monaten Untersuchungshaft (http://t1p.de/nvkc). Zwei Tage
später veröffentlichte der FSB ein Video von Suschtschenkos Festnahme
(http://t1p.de/spj5).

Präsidentensprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Festnahme als
normales Vorgehen der Sicherheitsdienste und verwies wie auch das
russische Außenministerium darauf, dass Suschtschenko keine gültige
Akkreditierung besessen habe (http://t1p.de/5551,
http://t1p.de/9bh4). Den Einreisebestimmungen der Russischen
Föderation zufolge ist eine solche bei Privatreisen allerdings auch
nicht vonnöten.

Sowohl dem ukrainischen Botschafter in Moskau als auch
Suschtschenkos Anwalt, Mark Fejgin, wurde bisher der Zutritt zu
Suschtschenko verweigert (http://t1p.de/1ctd). Fejgin hat bereits die
Punk-Band Pussy Riot und die ukrainische Pilotin Nadija Sawtschenko
als Anwalt vertreten und wurde von Suschtschenkos Ehefrau und der
Nachrichtenagentur Ukrinform mit der Verteidigung des inhaftierten
Journalisten beauftragt. Roman Suschtschenko arbeitet seit 2002 für
Ukrinform und ist seit 2010 Frankreich-Korrespondent der Agentur.

Auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit steht Russland auf
Platz 148 von 180 Staaten.



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Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
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T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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Datum: 04.10.2016 - 16:05 Uhr
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