PresseKat - BERLINER MORGENPOST: Quereinsteiger brauchen Fürsorge/ Ein Leitartikel von Andreas Abel

BERLINER MORGENPOST: Quereinsteiger brauchen Fürsorge/ Ein Leitartikel von Andreas Abel

ID: 1048955

(ots) - Berlin braucht neue Lehrer - viele neue Lehrer.
Mehr als 2000 will und muss Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)
zum nächsten Schuljahr einstellen. Doch angesichts des bundesweiten
Fachkräftemangels ist klar, dass der riesige Bedarf nicht allein mit
Bewerbern gedeckt werden kann, die sich in einem Studium intensiv auf
den Lehrerberuf vorbereitet haben. Nun schlägt also die große Stunde
der Quereinsteiger. Deren Interesse, Kinder und Jugendliche zu
unterrichten, ist sehr groß. 3300 Bewerbungen registriert die
Schulverwaltung. Das ist zunächst einmal erfreulich. Doch sich jetzt
beruhigt zurückzulehnen, wäre die völlig falsche Konsequenz. Die
Arbeit beginnt erst.

Für Quereinsteiger spricht, dass sie über Berufserfahrung
verfügen, in den meisten Fällen auch über hohes Fachwissen. Außerdem
bringen sie frischen Wind und neue Sichtweisen sowie Perspektiven aus
der Berufspraxis an die Schulen. Eine gewisse Anzahl von
Quereinsteigern tue jeder Schule gut, bestätigen Experten. Doch diese
Neu-Lehrer haben in aller Regel keine pädagogische Vorbildung. Viele
sind weder darauf vorbereitet, ihr Wissen in didaktisch geeigneter
Form zu vermitteln, noch Konflikte mit schwierigen Schülern
auszuhalten oder zu lösen. Vor einer Klasse voller pubertierender
Jugendlicher zu bestehen, die keine große Lust auf Mathematik oder
die Geschichte des Mittelalters haben, ist mit dem Begriff "gewaltige
Aufgabe" sehr zurückhaltend umschrieben. Zudem ist damit zu rechnen,
dass ein Großteil der Quereinsteiger den Arbeitsaufwand, den gut
vorbereitete Unterrichtsstunden mit sich bringen und vor allem die
Disziplinprobleme und psychischen Belastungen in diesem Beruf
unterschätzt.

Quereinsteiger müssen folglich sehr gut auf ihre künftige Aufgabe
vorbereitet werden. Doch es ist zweifelhaft, ob das in Berlin




tatsächlich geschieht. Sie sollen von Beginn an 19 Stunden pro Woche
unterrichten, das ist viel zu viel. Im berufsbegleitenden
Referendariat muss mehr Zeit für die nichtfachlichen Aspekte des
Berufs bleiben. Die Schulverwaltung hat nicht nur eine Verpflichtung
gegenüber Schülern und Eltern, den Kindern eine bestmögliche
Schulbildung zu gewähren. Sie hat auch eine Fürsorgepflicht gegenüber
den Lehrern. Experten warnen, Quereinsteiger seien besonders
gefährdet, unter Stress, Depressionen oder Burn-out zu leiden. Es
wäre fatal, die Gesundheit dieser Menschen zu verschleißen.

Der Leitartikel im Internet: www.morgenpost.de/127123436



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Datum: 19.04.2014 - 19:17 Uhr
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