(ots) - Kontrolle mit Lücken
In Zukunft soll in Deutschland der Weg jeder Schusswaffe
detailliert nachvollziehbar sein - vom Hersteller über alle
Eigentümer bis hin zum möglichen Tatort. Mit dem nationalen
Waffenregister setzt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nicht
nur EU-Recht um, er zieht auch die Konsequenz aus Amokläufen und den
Erfahrungen der Neonazi-Mordserie, in der ein seltenes Ceska-Modell
das Bindeglied zwischen den Taten war. Das ist richtig und wird in
Zukunft so manchen Fahndungserfolg bringen. Und doch ist das beste
Register im Zweifel nur so gut wie die Beamten, die die Daten
auswerten. Erinnern wir uns: Im NSU-Fall waren die Tatwaffe und deren
Händler in der Schweiz bekannt, doch der wurde offenbar nur nach
möglichen türkischen Käufern befragt - die Neonazi-Idee fehlte
schlicht in den Köpfen der Ermittler, nicht in irgendeiner Datei. Und
die personalintensive - und daher oft laxe - Kontrolle der
Waffenbesitzer behebt das Register ebenfalls nicht. Das größte
Problem des privaten Waffenbesitzes bleibt ohnehin ungelöst: In
Friedrichs Register werden nur die rund sechs Millionen Schusswaffen
erfasst, die es legal in deutschen Haushalten gibt. Auch wenn es in
der jüngsten Vergangenheit spektakuläre Fälle gab, in denen solche
Waffen missbraucht wurden - die meisten Taten werden nach wie vor mit
einer der geschätzt 20 Millionen illegalen Waffen begangen. Doch die
werden nie in diesem Register auftauchen.
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Lothar Tolks
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