(ots) - In vielen Familien leuchtet in diesen Wochen die
Alarmstufe Rot. Der Grund: Bald gibt es Zeugnisse - und bei manchen
droht die "Ehrenrunde". Genau diese würde Klaus Wenzel gerne
abschaffen. Und dieser ist nicht irgendwer, sondern der Vorsitzende
des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes aus München.
Im Interview mit der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ELTERN
FAMILY (Heft 6/2012, ab morgen im Handel) sagt Wenzel: "Sitzenbleiben
ist nicht sinnvoll, es schadet eher. Zahlreiche Untersuchungen
belegen, dass die Leistung in der neuen Klasse nicht besser wird,
sondern weiter abfällt. Weil die Wiederholer den Unterricht erst
einmal locker sehen, verpassen sie im Laufe des Schuljahres wieder
den Anschluss."
Aber bremsen schlechte Schüler nicht ihre guten Mitschüler aus?
"Da muss ich mit einem Mythos aufräumen. Es gibt keine homogenen
Klassen, auch dann nicht, wenn die Schwächsten sitzen bleiben",
erklärt Wenzel. "Der Wissensstand der einzelnen Kinder ist immer
unterschiedlich. Und es stimmt auch nicht, dass eine Klasse davon
profitiert, wenn die Leistungen in etwa gleich sind".
Auf die Frage, ob die schlechteren Schüler den anderen denn
ständig hinterherhinken sollen, sagt der Lehrerverbandschef:
"Natürlich nicht, das müssen sie auch nicht. Andere Länder kommen
auch ohne Ehrenrunden aus, ohne dass die Schüler dort schlechter
wären. Großbritannien zum Beispiel, die USA, Japan oder Finnland.
Gerade dieses Land können wir uns in Sachen Bildung zum Vorbild
nehmen. Dort stehen zwei bis drei Lehrer pro Klasse zur Verfügung, so
dass die schwächeren Schüler gefördert werden können und die
stärkeren zusätzliche Angebote bekommen."
Auch das Argument, das alles koste zu viel Geld, ziehe nicht, so
Wenzel: "Sitzenbleiben kostet auch Geld, und zwar 5000 Euro pro
Schüler für ein Schuljahr. 2010/2011 sind etwa 160 000 Schüler sitzen
geblieben - da kommt man auf Kosten von 800 Millionen Euro."
Mehr zum Thema Schuljahrs-Countdown und Sitzenbleiben jetzt in
ELTERN FAMILY.
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