Schule, Erziehung und Experimente sind für das Kreativsein weitaus wichtiger als die Gene, sagt Professor Dr. Aljoscha C. Neubauer. Das BETA Young Creative Lab hat den Grazer Forscher zum Interview gebeten.
(firmenpresse) - Aljoscha C. Neubauer hat Psychologie und Soziologie studiert. Seit 1998 ist er als Professor für Differentielle Psychologie an der Uni Graz tätig. Sein Forschungsschwerpunkt ist die menschliche Begabung in allen ihren Facetten (Intelligenz, Kreativität, emotionale Kompetenz, praktische Intelligenz) und ihre neurowissenschaftlichen Grundlagen.
Es gibt viele verschiedene Definitionen des Begriffes Kreativität. Welche ist Ihrer Meinung nach die treffendste?
Jene des Kreativitätsforschers Mihaly Csikszentmihalyi, der Kreativität als die Herstellung von neuartigen, originellen, sinnvollen, nützlichen und akzeptierten Ideen beschreibt. Csikszentmihalyi hat den kreativen Flow er- beziehungsweise gefunden.
Das bedeutet, dass immer eine konkrete Idee das Ergebnis sein muss?
Am Ende steht das Produkt, davor aber oft ein monatelanger oder jahrelanger Prozess des Ausprobierens. Kreativität ist im Allgemeinen nicht ein Prozess, bei dem man sich einfach in die Badewanne setzt wie Archimedes und dabei das Heureka-Erlebnis hat sondern harte Arbeit.
Stimmt es, dass ich Kreativer bin, wenn ich mich in einem bestimmten Bereich gut auskenne?
Ja, die sogenannte Foundation View bestätigt das. Ich muss mich ausführlich mit einem Thema beschäftigen, bevor ich kreativ sein kann. Expertisenforscher Anders Ericsson sprach von zehn Jahren oder 10.000 Stunden, die notwendig sind, um ein Experte beziehungsweise eine Expertin
zu werden. Robert Weisberg hat das mit der Kreativität verbunden. Er meinte, diese Expertise brauche ich, um kreativ sein zu können, und nannte dies „deliverate praxise“, das mühevolle Arbeiten, Trainieren und Wissen erwerben.
Als Kreativer wird man also nicht geboren?
Grundsätzlich geht man davon aus, dass Persönlichkeitsmerkmale zu 40 bis 50 Prozent genetisch bedingt sind. Bei der Kreativität spricht man nur von 10 bis 20 Prozent. Die Annahme, dass man als Genie geboren wird ist allenfalls in Bezug auf eine hohe Intelligenz plausibel, nicht in Bezug auf eine hohe Kreativität. Es gibt ein paar Grundvoraussetzungen: man braucht eine gewisse Intelligenz und Offenheit. Besonders wichtig sind aber die Umweltbedingungen. Schule und Eltern haben einen großen Einfluss: Erziehung zum eigenständigen Denken und das Ermutigen, Dinge auszuprobieren.
Ein Plädoyer für ein Impulszentrum für Kreativität, wie das BETA Young Creative Lab.
Ja. Gerade bei der Kreativität geht es darum, dass Menschen ein Sensorium dafür entwickeln, was für sie persönlich die kreativitätsförderlichen Faktoren sind. Das kann ein Labor zum Experimentieren sein aber auch das Reden mit bestimmten Personen oder das Aufsuchen besonderer Orte.
Das BETA Young Creative Lab ist ein in Europa einzigartiges Laboratorium für Design und Kommunikation in Graz (Österreich), in dem experimentiert und an kommerziellen Aufträgen aus der Kreativwirtschaft gearbeitet wird. Einige der vielseitigen Kompetenzen des internationalen und interdisziplinären Teams aus jungen Kreativen sind Kommunikationsdesign, Produkt & Präsentation, Industriedesign, Motiondesign und Social Media. Das Unternehmen wird von der Europäischen Union kofinanziert und ist eine 100%ige Tochter der Steirischen Wirtschaftsförderung.
Cornelia Kröpfl
BETA YOUNG CREATIVE LAB
IFK Impulszentrum für Kreativität GmbH
A-8041 Graz, Liebenauer Tangente 6
Mobil: +43/664/190 12 32
Mail: cornelia.kroepfl(at)betalab.at