(ots) - Wenn am Sonntag die Fußballweltmeisterschaft
der Frauen mit dem Spiel der deutschen Mannschaft gegen Kanada im
Berliner Olympiastadion offiziell eröffnet wird, sollte man eines
nicht vergessen: Es geht um Fußball. Es geht um Sport. Nicht nur,
aber auch. In den vergangenen Wochen und Tagen trat das Wesen dieses
Turniers in den Hintergrund. Das war auch gut so. Denn wer ehrlich
bleibt: Würde die Weltmeisterschaft nicht in Deutschland stattfinden,
würde es - in Anführungszeichen - nur um Frauen gehen, die gegen
einen Ball treten, wäre das Interesse an dem Turnier nicht größer als
in den vergangenen Jahren. Das hat noch nicht mal unbedingt etwas mit
Chauvinismus zu tun, sondern eher mit dem alltäglichen Schicksal
einer Randsportart. Interesse generiert sich allerdings selten von
allein, heutzutage braucht es schon massive Lobbyarbeit. Und deswegen
ist es vor allem dem machtpolitischen Geschick des Deutschen
Fußball-Bundes, immerhin ein Verband mit sieben Millionen
Mitgliedern, zu verdanken, dass diese Weltmeisterschaft medial in
einer Art und Weise wahrgenommen wird, von der andere Randsportarten
nur träumen können. Ob Barbiepuppe oder Tatort - wenig wurde
ausgelassen, um die Menschen hierzulande auf die WM einzustimmen. Und
auch wenn DFB-Präsident Theo Zwanziger als Frauenversteher und Freund
des Frauenfußballs gilt, aus reiner Nächstenliebe setzt er sich nicht
für Bundestrainerin Silvia Neid und ihre Mannschaft ein. Dahinter
steckt mehr. Selbst der mächtige DFB, der größte Fachverband der
Welt, stößt mittlerweile an seine Grenzen. Wie auch bei allen anderen
Sportarten schleicht in der DFB-Zentrale an der Otto-Fleck-Schneise
in Frankfurt die Angst vor dem demografischen Wandel durch die Gänge.
Ohne die Mädchen und Frauen in seinen Reihen hätte der Verband
bereits jetzt rückläufige Mitgliederzahlen. Weniger Mitglieder aber
sind gleichbedeutend mit weniger Geld und natürlich auch mit weniger
Einfluss. Unabhängig von den Motiven: Verdient haben es die
Fußballerinnen allemal, in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen zu
werden und damit auch Geld zu verdienen. Wer will es ihnen neiden?
Man mag vielleicht bei dem einen oder anderen Werbespot ob der dort
bedienten Klischees vor Schmerz aufheulen, doch der
Emanzipationsgedanke oder gar die Gleichberechtigung werden durch ein
wenig Lippenstift, Lidschatten oder etwas Busen in diesem Land nicht
substanziell gefährdet. Doch was soll übrig bleiben von dieser WM?
Der DFB hofft auf einen deutlichen Schub. Die erste Frauen-Bundesliga
soll vom Zuschauerzuspruch her mit der dritten Liga der Männer, der
Liga, in der der SSV Jahn Regensburg spielt, konkurrieren. Das wäre
die Idealvorstellung. Auch der Fußball-Weltverband ist immer daran
interessiert, seine Machtfülle auszubauen. Wenn Frauen Fußball
spielen und man daran Geld verdienen kann, warum nicht? Die
Bundesliga-Spielerinnen träumen von einer größeren Professionalität
ihrer Sportart. Nur die wenigsten können allein vom Sport leben. Der
Bundesbürger träumt vom Sommermärchen und tollen Spielen. Ach ja, und
ganz nebenbei wollen die DFB-Frauen und ihre Fans natürlich den
dritten Weltmeistertitel in Folge feiern. Erwartungen über
Erwartungen. Da gilt es schon aufzupassen, damit man nicht
verkrampft. Und deswegen sollte man eines nicht vergessen: Bei dieser
WM geht es um Fußball, um Sport. Nicht nur, aber auch.
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