(ots) - Im Streit um homosexuelle Paare im Pfarrhaus hat
jetzt erstmals einer der höchsten Repräsentanten der evangelischen
Kirche Verständnis für Kritik an der Homo-Ehe gezeigt. "Die Bibel
verurteilt praktizierte Homosexualität ohne Ausnahme", erklärte der
Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
und frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein in der
ZEIT-Beilage "Christ & Welt". Daher sei es für ihn "schwierig, dass
in evangelischen Pfarrhäusern homosexuelle Partnerschaften gelebt
werden." Er könne den Protest von acht Altbischöfen gegen eine solche
Regelung nachempfinden. Bisher hatten nur Bischöfe im Ruhestand
Kritik an der Homo-Ehe geübt.
Die Altbischöfe hatten eine öffentliche Diskussion entfacht, weil
sie in einem Offenen Brief an die 22 evangelischen Landeskirchen
appellierten, eine Reform des Pfarrergesetzes zu Fall zu bringen, in
der die EKD-Synode im vergangenen November den Weg für homosexuelle
Partnerschaften im Pfarrhaus ausgeweitet hatte. Beckstein stimmte dem
Gesetz trotz eigener Bedenken zu. Es sei als Kompromiss nach
schwierigen Debatten zustande gekommen. Er habe eingewilligt, weil
die evangelische Kirche trotz der Reform am Leitbild von Ehe und
Familie festhalte. "Auch der homosexuelle Pfarrer und die lesbische
Pfarrerin müssen die Familie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit
stellen", erklärte Beckstein.
Zugleich räumte er ein, dass die evangelische Kirche mit ihrer
Position sowohl in der Ökumene als auch unter protestantischen
Kirchen "einen Sonderweg einschlägt". So sei die Entscheidung bei
Katholiken, Orthodoxen und afrikanischen Lutheranern auf scharfen
Widerspruch gestoßen. Homosexualität ist derzeit eines der größten
Streitthemen zwischen den Kirchen. Wegen der Weihe homosexueller
Kleriker waren anglikanische Bischöfe am vergangenen Samstag zur
katholischen Kirche übergetreten.
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